In meinem Monatsrückblick April hatte ich nebenbei bemerkt, dass ich nun einen Lesekreis habe. Der Lesekreis – das sind fünf Mädels, die sich aus der Uni kennen – wurde zwar offiziell schon im April mit einem ersten Treffen eröffnet. Doch ging es da zuerst einmal um die Organisation und vollzählig waren wir an dem Termin sowieso auch nicht. Daher gibt es nun meinen ersten Beitrag zu unserem Lesekreis, mit dem ich auch eine neue Reihe auf dem Blog einführe.

 

Der Anfang

Für Büchermenschen gibt es doch nichts Schöneres, als die Liebe zu Büchern und guten Geschichten mit anderen zu teilen – am besten mit Menschen, die genauso empfinden. Von der Idee, einen Lesekreis zu gründen, war ich also sofort begeistert. Und es dauerte nicht lange, da war unsere fünfköpfige Gruppe gegründet und ein Termin für das erste Treffen festgelegt.

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Die Frage, die sich da stellte, war: Welche Bücher wollen wir eigentlich lesen? Einig waren wir uns darin, bekannte und wichtige Werke der Weltliteratur zu lesen. Und um einen Überblick zu bekommen, was da eigentlich so alles dazu gehört, haben wir uns verschiedene Bestenlisten angesehen. Davon findet man im Internet eine ganze Menge und obwohl sich in den Listen auch vieles überschneidet, bekommt man dort locker mehrere hundert Werke zusammen.

Letztendlich haben wir eine Liste mit etwa 50 Büchern zusammengestellt, aus der wir nun nach und nach auswählen, was als nächstes gelesen wird. Begonnen haben wir mit Wer die Nachtigall stört bzw. To Kill a Mockingbird, denn ob auf Deutsch oder in der Originalsprache gelesen wird, ist jedem selbst überlassen. Außerdem haben wir beschlossen, die Treffen der Reihe nach bei jedem aus der Gruppe stattfinden zu lassen.

 

Unser erstes Treffen – mit Stadtbesichtigung

So kam bei unserem zweiten Treffen (was eigentlich das erste „richtige“ Treffen war) ein Besuch in Marburg zustande, bei dem sich meine Lesekreis-Mädels eine Besichtigung der Stadt natürlich nicht entgehen lassen wollten. Seit meiner Bachelor-Zeit in Marburg, liebe ich die Stadt und finde es selbst immer wieder schön durch die Oberstadt zu laufen und die schönen Fachwerkhäuser zu bewundern. Also gabs von mir eine kleine Führung durch die Stadt, inklusive dem Marburger Schloss.

Marburger Schloss

Fachwerkhaus Oberstadt

Dass Marburg eine Stadt für Bücherfreunde ist, fiel auch recht schnell auf. Es gibt relativ viele Buchläden, was mir selbst gar nicht so richtig bewusst war, obwohl ich sie natürlich alle kenne ;). Einer davon hatte sogar an dem Sonntag, an dem wir uns trafen, geöffnet. Dort haben wir uns dann auch eine ganze Weile aufgehalten – die Gelegenheit mit anderen Lesebegeisterten in einem Buchladen zu stöbern, muss schließlich genutzt werden.

Ein weiterer buchiger Fakt über Marburg: Die Gebrüder Grimm studierten dort an der Philipps-Universität, weshalb Marburg heute eine Brüder-Grimm-Stadt ist. So gibt es hier einen Grimm-Dich-Pfad, der hoch bis zum Schloss führt. Entlang dieses Weges stehen Märchenskulpturen mit kleinen Tafeln, auf denen Wissenswertes zum Leben der Brüder Grimm in Marburg steht.

Aschenputtel

Der Wolf und die Sieben Geislein

 

„To Kill a Mockingbird“ von Harper Lee

Unser Austausch über den amerikanischen Klassiker To Kill a Mockingbird fand schließlich in einem Café in der Oberstadt statt. Wir stimmten darin überein, dass es eine schöne Geschichte mit einigen wunderbaren Aussagen ist. Insgesamt wurde das Buch von uns positiv bewertet, denn sowohl die Protagonistin Scout, aus deren Perspektive das Buch geschrieben ist, als auch ihr Bruder Jem und ihr Vater Atticus sind sympathische Figuren. Drei Jahre werden in dem Buch erzählt, in denen die Kinder einiges erleben und sehr viel über das Leben lernen. Der Ort, in dem sie wohnen, spielt dabei eine wichtige Rolle und wird von der Autorin Harper Lee authentisch beschrieben, so dass man sich gut in die das Alabama der 1930er Jahre hineinversetzen kann.

To Kill a Mockingbird_Harper Lee

Ich musste jedoch sagen, dass ich mir irgendwie mehr von To Kill a Mockingbird erwartet hatte. Zunächst hat mich die Geschichte nicht wirklich gefesselt und ich habe nur für unseren Lesekreis weitergelesen. Das lag daran, dass es in dem Buch keine durchgehende Handlung gibt. Es gibt keinen Handlungsstrang, der sich bis zum Ende durchzieht, sondern stattdessen eher episodische Erzählungen aus dem Leben der Kinder. Und da waren einige sehr interessant und fesselnd, andere dagegen weniger, so dass es beim Lesen bei mir ein Auf und Ab war.

Wirklich spannend war für mich die Gerichtsverhandlung, die eine Weile das wichtigste Thema ist und sich noch am ehesten durch das gesamte Buch zieht. Atticus ist nämlich Anwalt und muss den schwarzen Farmarbeiter Tom Robinson, der angeblich eine weiße Frau vergewaltigt haben soll, verteidigen. Hier kommt das Hauptthema des Buches natürlich am besten zur Geltung, denn To Kill a Mockingbird ist ein Werk gegen Rassismus und Vorurteile und für die Gleichberechtigung aller Menschen.

To Kill a Mockingbird - Harper Lee

Meine Ausgabe von To Kill a Mockingbird ist übrigens noch aus der Schule, was den Zustand dieses Exemplars erklärt. Vor einigen Jahren wurden dort nämlich Bücher aussortiert und die Schüler durften sich davon mitnehmen, was sie haben wollten, bevor der Rest im Müll landete. Mein Freund brachte damals ein paar der Bücher mit, weshalb wir nun einige erbarmungswürdig aussehende Klassiker besitzen. Doch solange die Bücher sich noch lesen lassen, werden sie von mir auch noch gelesen ;).

 

Ein kleines Fazit

Fast einen ganzen Tag lang haben wir über Bücher (und auch ein bisschen über andere Dinge) geredet, leckere Tapas gegessen, Kaffee getrunken und Marburg erkundet. Es war also ein gelungener Tag und ein wunderbarer Auftakt für unseren Lesekreis! Als Nächstes werden wir Sofies Welt von Jostein Gaarder lesen. Ich bin gespannt auf dieses Werk und freue mich schon auf das nächste Treffen.

Von Janine gibt es übrigens auch einen Beitrag zu unserem Treffen, den ihr auf ihrem Blog Wortbildwerke findet – schaut doch mal vorbei.

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