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Rezension: „Der Nachtzirkus“ – Erin Morgenstern

31. Januar 2017

Wahrscheinlich handelt es sich bei Der Nachtzirkus um das erste und bisher einzige Buch, das ich hauptsächlich wegen seines schönen Covers gekauft habe. Zuvor hatte ich es ein paar Mal auf Instagram und verschiedenen Blogs gesehen, doch inhaltlich hatte ich keine Ahnung, worum es geht. Da das Buch in Folie verpackt und auf der Rückseite ebenfalls keine Inhaltsangabe zu finden war, kaufte ich es tatsächlich einfach aus einer Laune heraus (und weil es nur 5€ kosten sollte).

Das werde ich wohl nie wieder machen. Warum, das erzähle ich euch jetzt:

Inhalt

„Er kommt ohne Ankündigung und hat nur bei Nacht geöffnet: der Cirque des Rêves – Zirkus der Träume. Um ein geheimnisvolles Freudenfeuer herum scharen sich fantastische Zelte, jedes eine Welt für sich, einzigartig und nie gesehen. Doch hinter den Kulissen findet der unerbittliche Wettbewerb zweier verfeindeter Magier statt. Sie bereiten ihre Kinder darauf vor, zu vollenden, was sie selber nie geschafft haben: den Kampf auf Leben und Tod zu entscheiden. Doch als Celia und Marco einander schließlich begegnen, geschieht, was nicht vorgesehen war: Sie verlieben sich rettungslos ineinander. Von ihren Vätern unlösbar an den Zirkus und ihren tödlichen Wettstreit gebunden, ringen sie verzweifelt um ihre Liebe, ihr Leben und eine traumhafte Welt, die für immer unterzugehen droht.“ (© Ullstein)

Wenn der Klappentext falsche Erwartungen weckt…

In Der Nachtzirkus geht es zwar um die Wette zweier Magier, doch was den Kampf angeht, gestaltet sich das Ganze anders als gedacht. In erster Linie geht es in dem Buch nämlich um den Zirkus, wie und warum er entsteht und wie er nach und nach wächst und zu einer wunderbaren Attraktion für die Besucher wird. Ein Kampf, so wie ich ihn erwartet hätte, findet im Buch nicht statt. Eher handelt es sich um einen geheimen Wettbewerb zwischen Celia und Marco, ohne dass sie zunächst wissen, wer ihr jeweiliger Gegner ist. Dass es bei dem Wettbewerb um Leben und Tod geht, stimmt allerdings wieder.

Auch die im Klappentext angedeutete Liebesgeschichte ist nur am Rande bzw. am Ende des Buches ein Thema. Das hat mir zwar ganz gut gefallen, nur hatte ich eben etwas anderes erwartet. Das vorherrschende Thema ist einfach der Zirkus selbst. Er ist etwas Besonderes und das nicht nur, weil er ausschließlich nachts geöffnet hat. Der Zirkus besteht aus vielen verschiedenen Zelten, in denen es die unterschiedlichsten Attraktionen zu sehen und zu erleben gibt. Nichts dort ist gewöhnlich.

Dass der Fokus so sehr auf dem Zirkus liegt und die vermeintlichen Protagonisten gar keine wirklichen Protagonisten sind, hat mich überrascht. Und genau das war letztendlich mein Problem mit dem Buch. Leider allerdings nicht das einzige…

Der Nachtzirkus

Ausschweifende Beschreibungen, wenig Inhalt

Der Zirkus ist toll. Und magisch. Und bezaubernd. Und traumhaft. Und… so langsam reichts dann auch. Erin Morgenstern beschreibt mit vielen, schön klingenden Worten den Zirkus, die Menschen, die Atmosphäre. Vom Geruch, der die Luft erfüllt, bis zum Boden, der auch ganz anders aussieht als sonst. Kein noch so winziges Detail wird ausgelassen – und das war mir einfach zu viel. Ich schätze schöne Sprache, doch dabei darf der Inhalt nicht fehlen. Der Nachtzirkus besteht allerdings hauptsächlich nur aus schönen Beschreibungen. Die Autorin will den Leser in diese magische Welt mitnehmen und sie greifbar machen, doch bei mir ist ihr das leider nicht gelungen. Stattdessen habe ich mich gelangweilt und gefragt, wann die Geschichte endlich richtig los geht.

Zeitsprünge und verschiedene Erzählstränge

Eigentlich ist gegen beides nichts einzuwenden. Im Gegenteil ich mag komplexe Erzählweisen mit Zeitsprüngen und Handlungssträngen, die sich erst nach und nach miteinander verbinden. Aber der Aufbau von Der Nachtzirkus hat mir nicht gefallen, da er mich ständig aus der Geschichte gerissen und meinen Lesefluss unterbrochen hat. Besonders am Anfang des Buchs sind viele Kapitel extrem kurz und springen von einer Situation in die nächste. Dabei werden außerdem viele Figuren vorgestellt, von denen ich in diesen kurzen Passagen kaum einen richtigen Eindruck bekommen habe.

Das alles hat dazu geführt, dass mich weder die Figuren noch die Handlung wirklich interessiert, geschweige denn gefesselt haben. Die Figuren blieben bis zur Hälfte des Buches vollständig blass und langweilig. Danach wurde die ein oder andere schließlich doch noch ein wenig interessanter. Ebenso fehlt in der ersten Hälfte die Handlung fast vollständig. Ein Zirkus wird gegründet und irgendwie sollen die zwei Magier-Schüler einen Wettkampf austragen und werden darauf vorbereitet. Erzählt wird das Ganze episodenhaft mit einigen Zeitsprüngen, bis der Zirkus schließlich eröffnet wird. Das hätte deutlich kürzer erzählt werden können, denn so war ich kurz davor das Buch auf Seite 200 abzubrechen.

Dann kommt aber doch langsam eine richtige Geschichte zustande. Die einzelnen Erzählstränge werden interessanter und der Konflikt, der lange auf sich hat warten lassen, beginnt sich abzuzeichnen. Immerhin die Protagonisten wurden mir dann auch sympathischer, weil ich endlich ein wenig Zeit bekommen habe, sie wirklich kennenzulernen, anstatt von Figur zu Figur und Situation zu Situation zu springen. Von Kapitel zu Kapitel springt die Geschichte übrigens wild vor und zurück, so dass man immer wieder aufpassen muss, was genau vor dem aktuellen Kapitel passiert ist und was erst in Zukunft passieren wird.

Ein kompletter Flop?

Danach hört sich die bisherige Besprechung an, doch ganz so blöd fand ich Der Nachtzirkus dann auch wieder nicht. Die erste Hälfte des Buchs hat sich ziemlich gezogen und vieles davon war einfach überflüssig und hätte deutlich kürzer abgehandelt werden können. Der Zirkus wurde sehr schön beschrieben, auch wenn es für mich teilweise zu viel des Guten war. Als sich schließlich die Erzählstränge mehr und mehr miteinander verbunden haben, wurde es besser. Vor allem die Liebesgeschichte hat mir ziemlich gut gefallen, obwohl – oder vielleicht gerade weil – sie erst zum Ende hin bedeutend wird.

Der Nachtzirkus ist ein atmosphärisches Buch mit einer schönen, poetischen Sprache. Leider kommen dabei der Inhalt und die Figuren etwas zu kurz. Eine zielgerichtete Handlung entwickelt sich erst spät und auch die Figuren werden erst in der zweiten Hälfte lebendiger – zu Beginn erscheinen sie eher wie Statisten, die ebenfalls nur zur Atmosphäre beitragen sollen. Der Stil ist zwar besonders, doch mich konnte dieser distanzierte, aber detailverliebte Blick auf das Geschehen nicht überzeugen.

 

Weitere Rezensionen zu „Der Nachtzirkus“:

Bella von Bella’s Wonderworld

Isabella von Noch mehr Bücher

Ramona von Eltragalibros

Sebastian von Büchermonster

 

Der Nachtzirkus

Erin Morgenstern
Genre: Jugenbuch/Fantasy
Verlag: Ullstein (Oktober 2013)
464 Seiten (Taschenbuch)

Ähnliche Beiträge:

  1. Ich habe das Buch heute beendet und bin ganz bei dir, was deinen Eindruck von der Geschichte angeht. Die Figuren waren für mich immer ganz weit weg, sodass keine Spannung entstand, wenn es darum geht wirklich mitzufiebern. Eigentlich hat mich nur die Neugier dazu bewegt, bis zum Ende durchzuhalten. Denn in dem Roman steckt viel ungenutztes Potential.

    1. Ja, ich hatte echt mehr erwartet. Diese Distanz zu den Figuren und dem ganzen Geschehen hat mich ziemlich gestört. Die Grundidee fand ich allerdings ganz schön und umso mehr hat es mich deshalb auch geärgert, dass die Umsetzung so gar nicht nach meinem Geschmack war.

  2. Hallo Anka,

    Schade, dass dich „Der Nachtzirkus“ nicht so überzeugt hat, aber ich kann deine Kritikpunkte gut verstehen. Der Klappentext/ die Beschreibung ist wirklich etwas irreführend und man muss das Konzept dann mögen… Ich fand es super schön und habe am Ende sogar meine Bachelorarbeit darüber geschrieben, weil ich mich so in den Zirkus verliebt habe. So verschieden kann das sein. :) 

    VG Saskia

    1. Hey Saskia,

      schön, dass es dir so gut gefallen hat! Ich kann auch schon nachvollziehen, warum viele das Buch so toll finden. Der Stil und die Sprache sind einfach was Besonderes. Teilweise hat mir die Geschichte bzw. einzelne Passagen auch ganz gut gefallen, aber die oben genannten Kritikpunkte haben am Ende leider überwogen. Das fand ich dann sehr schade, weil die Grundidee mit dem Zirkus echt toll war. Cool, dass du sogar deine Bachelorarbeit darüber geschrieben hast :).

      Liebe Grüße
      Anka

    1. Hey,

      mir hat da inhaltlich auf jeden Fall was gefehlt – das konnten dann die tolle Idee und die schöne Sprache auch leider nicht mehr wettmachen. Zwar gilt bei Büchern ja sowieso, dass es immer Geschmackssache ist, aber ich glaube, bei diesem hier durch den speziellen Aufbau und Stil ganz besonders ;).

      Liebe Grüße :)

  3. Wie schon bei Twitter gesagt war ich von dem Buch leider auch nicht so wirklich begeistert.

    Ich hatte es damals in der Hörbuch-Version gehört und da waren die vielen Zeitsprünge schon sehr problematisch, vor allem da diese zeitlich relativ nah beieinander waren und ich viele davon einfach verpasst habe. So habe ich dann irgendwann völlig den Überblick verloren und nie so wirklich in die Handlung hineingefunden.

    Dass das magische Duell nicht so wirklich ein Duell ist, hatte ich bereits zuvor gehört und war dann auch dementsprechend vorbereitet, trotzdem klingt der Klappentext deutlich interessanter als es das Buch letztlich ist.

    Atmosphärisch fand ich das Buch wirklich toll und ich überlege schon lange, ob ich es nochmal mit der gedruckten Fassung versuche, weil anscheinend so viele das Buch total lieben, aber irgendwie kann ich mich dazu nicht durchringen und deine Rezension der Printausgabe motiviert mich jetzt auch nicht unbedingt :D

    Danke fürs Verlinken! :)

    1. Als Hörbuch stelle ich es mir auch wirklich sehr schwierig vor, der Handlung zu folgen. Die vielen Zeitsprünge haben mich ja auch in der Printversion gestört. Dadurch dass die Kapitel teilweise so extrem kurz sind und dann alle paar Seiten in der Zeit vor und zurück springen, wurde bei mir der Lesefluss einfach zu sehr gestört. Ein bisschen weniger davon und mir hätte es sofort besser gefallen.

      Bei diesem Buch hätte ich mich definitiv zuvor informieren sollen. Gekauft hätte ich es wahrscheinlich trotzdem, aber zumindest wäre ich mit anderen Erwartungen an die Geschichte gegangen. Vielleicht hätte es mich dann auch nicht so enttäuscht ;).

      Ich glaube, wenn man in der richtigen Stimmung ist und weiß, was man von der Geschichte zu erwarten hat, macht das Buch mehr Spaß. Und die Printausgabe ist in diesem Fall definitiv vorzuziehen. Solltest du es damit nochmal versuchen, würde mich deine Meinung dazu interessieren ;).

  4. Hallo liebe Anka,

    deine Kritikpunkte sind Punkte mit denen ich selbst auch nicht sonderlich gut klar komme und obwohl ich mir die Geschichte immer noch spannend vorstelle bin ich gerade durchaus froh, dass ich sie nicht gekauft habe, als ich das Buch diese Woche in der Hand hatte.

    Ich finde du hast sehr schön ausgeführt, was an der Geschichte dich gestört und was dir gefallen hat. Vielleicht werde ich das Buch jetzt mit anderen Erwartungen sehen/kaufen/lesen und dadurch zu einem komplett anderem Ergebnis kommen.

    Danke dafür.

    Alles Liebe
    Kani

    1. Hallo Kani,
      mit einer anderen Erwartungshaltung hätte mir das Buch vielleicht auch deutlich besser gefallen. Manchmal macht sowas einen großen Unterschied. Wenn du es noch lesen solltest, würde mich deine Meinung dazu interessieren. Du weißt ja jetzt, was dich erwartet. ;)
      Liebe Grüße
      Anka

  5. Hallo liebe Ann-Kathrin,

    der Nachtzirkus konnte mich auch nicht wirklich verzaubern. Anders als deine Erwartung, hatte ich mir schon gedacht, dass es viel um den Zirkus selbst gehen wird und das hat mir auch ganz gut gefallen. Ansonsten stimme ich deiner Kritik aber zu. Gerade mit der Geschichte um die beiden Magier und den Wettstreit unter ihnen konnte ich leider nicht so viel anfangen.

    Viele liebe Grüße,
    Nadine
    #litnetzwerk

    1. Hi Nadine,
      dass es so viel um den Zirkus geht, hätte mich ja noch nicht mal gestört – im Gegenteil, es war ja alles sehr schön beschrieben. Allerdings kam mir dabei einfach die Geschichte an sich, also der Wettstreit der beiden Magier, zu kurz. Das Buch hätte meinetwegen gerne länger sein dürfen, wenn dafür die Story genauso gut gewesen wäre wie die Beschreibungen des Zirkus. ;)
      Liebe Grüße
      Anka

  6. Hallo Anka,

    deine Rezension hat mich wieder auf den Nachtzirkus gebracht. Das Buch subbt hier seit einer Weile rum und nach deiner doch kritischen Rezi bin ich nun umso neugieriger. Ich finde es nämlich immer wieder spannend, wie unterschiedlich die Meinungen ausfallen können. Bisher haben mir nämlich alle befreundeten Blogger vom Nachtzirkus vorgeschwärmt, dass es fast schon zu schön war, um wahr zu sein. Deswegen schätze ich deine kritische Meinung sehr, weil sie meine Erwartungen ein wenig auf den Boden der Tatsachen zurückholt. Nichts ist schlimmer, als zu hohe Erwartungen an ein gehyptes Buch zu haben. Deine Rezension finde ich sehr ansprechend und objektiv. Und keine Angst, ich hatte während des Lesens nicht das Gefühl, dass Nachtzirkus ein schlechtes Buch ist.

    Liebe Grüße und ein tolles #litnetzwerk
    Nina

    1. Hi Nina,
      wenn ich mit anderen Erwartungen an das Buch gegangen wäre, hätte es mir vielleicht auch besser gefallen. Zu hohe oder falsche Erwartungen sind nie gut. Allerdings scheint es einfach ein Buch zu sein, dass man entweder ziemlich toll findet oder mit dem man nicht wirklich etwas anfangen kann. Bei mir war es leider letzteres, aber ich kann durchaus verstehen, was andere an dem Buch so begeistert. Ich bin gespannt, wie es dir gefällt, wenn du es dann liest!
      Und danke :)
      Liebe Grüße
      Anka

  7. Hey Anja! Ich bin gerade auf deinen Blog gestoßen und habe direkt diese Rezension zum „Nacht Zirkus“ entdeckt, das Buch, das schon ewig auf meinem SuB rumdümpelt😁 ich habe schon viele unterschiedliche Meinungen zum Buch gehört, aber deine waren am besten belegt! Eine wirklich tolle Rezension! Vielleicht hast du auch mal Lust auf meinem Blog vorbeizuschauen.☺️
    Liebe Grüße
    Svenja
    http://www.pantaubooks.wordpress.com

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