Das diesjährige Thema der Aktion #Buchpassion, die von Janine von Kapri-zioes organisiert wird, finde ich toll, aber es hat mich auch direkt mit einer schwer zu beantwortenden Frage konfrontiert: Wer ist eigentlich mein Lieblingsautor oder meine Lieblingsautorin?

Ich habe also überlegt und überlegt und kam doch zu keiner Antwort. Letztendlich konnte ich mich zwischen zwei Autoren einfach nicht entscheiden, die mich beide schon seit meiner Kindheit bzw. frühen Jugend begleiten und mich immer wieder begeistern – und das auf sehr unterschiedliche Weise. Nun kam also die Überlegung auf, einfach zwei Beiträge zu schreiben und so beiden Autoren gerecht zu werden. Aber ganz ehrlich: Dafür fehlt mir gerade die Zeit und zwei schnell und lieblos dahingeschriebene Beiträge will ich nicht bringen.

Eine neue Idee musste her und die kam dann auch plötzlich wie von selbst: Ich habe in diesem Jahr eine Autorin ganz neu für mich entdeckt, die ebenfalls Lieblings-Potenzial hat und die mich mit den Büchern, die ich bisher gelesen habe, sehr begeistern konnte. Damit hat sie bei mir außerdem das Interesse an einem Thema – oder eher einem großen Themenkomplex – geweckt, mit dem ich mich nun schon das ganze Jahr über beschäftige. Nämlich Afrika bzw. afrikanische Literatur. Aber nun zu besagter Autorin:

 

Chimamanda Ngozi Adichie

Chimamanda Ngozie Adichie ist eine nigerianische Schriftstellerin, die teils in Nigeria und teils in den USA lebt. In ihren Büchern schreibt sie über das Leben in Nigeria und auch über das Leben von Nigerianern in Amerika. Sie kennt beide Kulturen, ist – auch durch die Literatur – mit beiden aufgewachsen und schreibt nun über die Themen und Probleme, die sie bewegen, darunter insbesondere Rassismus und Feminismus.

In ihrem TED-Talk The danger of a single story spricht sie über die Gefahren, die einseitige Geschichten und Darstellungsformen hervorbringen. So werden Perspektiven verzerrt, Klischees und Stereotype entstehen. Genau diese Erzählweise hat lange Zeit – und wahrscheinlich auch noch heute – das Bild von Afrika geprägt. Geschichten über Afrika wurden ausschließlich von Weißen aus westlichen Industriestaaten geschrieben, die darin meist nur die negativen Seiten Afrikas zeigten und somit das Bild eines ganzen Kontinents prägten. Adichie plädiert daher dafür, so viele Geschichten wie möglich über Personen, Gruppen und Orte zu schreiben, um ein vielfältiges und umfangreiches Bild zu schaffen.

So hat sie etwa gemeinsam mit nigerianischen Verlegern die Organisation Farafina Trust gegründet, die Lesen und Schreiben fördern soll. Ziel ist es, durch die Auseinandersetzung mit Kunst und Literatur junge NigerianerInnen für die gesellschaftliche Entwicklung in Nigeria zu interessieren und aufmerksam zu machen.

Großen Eindruck – nicht nur auf mich – hat Adichie außerdem mit ihrem zweiter TED-Talk We should all be feminists gemacht. In diesem beschreibt sie, was Feminismus für sie heißt, wie sie als Frau in Nigeria wahrgenommen wird und wie sie mit alltäglichem Sexismus umgeht. Damit spricht sie allerdings nicht nur nigerianischen Frauen aus der Seele.

Ich könnte natürlich noch mehr und ausführlicher über die Autorin schreiben, doch das spar ich mir an dieser Stelle, denn das kann man auch googlen. Der Punkt ist: Alles, was ich hier kurz zusammengefasst habe, hat mich beeindruckt. Adichies Engagement finde ich unglaublich inspirierend und die Themen, mit denen sie sich beschäftigt, so wichtig. Durch sie habe ich mich in diesem Jahr mit afrikanischer Literatur beschäftigt, mich mit Rassismus und insbesondere auch Feminismus auseinandergesetzt. Das alles sind Themen, die ich nicht nur interessant, sondern auch extrem wichtig finde.

Natürlich sind Rassismus und Feminismus auch in Adichies Büchern ein Thema. In vielen ihrer Geschichten gibt es starke, feministische Frauen, die als Vorbilder dienen. Rassismus ist vor allem in den Geschichten ein Thema, in denen die afrikanische Kultur auf die westliche Kultur trifft. Mit ihren Büchern konnte sie mich begeistern. Sie erzählt unaufgeregt, aber eindringlich, was auf mich sehr authentisch wirkt. Bis jetzt habe ich vier ihrer sechs Bücher gelesen und auf die beiden ungelesenen freue ich mich schon. Außerdem hoffe ich, dass sie noch viele weitere Geschichten erzählt.

Nachdem ich mein erstes Buch (Die Hälfte der Sonne) von Adichie gelesen hatte, habe ich außerdem nach anderen afrikanischen Autoren gesucht und meine Wunschliste ist explodiert. Beispielsweise habe ich dieses Jahr schon das Debüt von Yaa Gyasi (Heimkehren) gelesen, welches mich ebenfalls sehr begeistert hat.

Durch Chimamanda Ngozi Adichie hat sich mein literarischer Horizont wieder einmal erweitert und dafür ist sie in diesem Jahr meine Lieblingsautorin!

 

Ihre Bücher und meine Meinung

Blauer Hibiskus*

Mit ihrem Debüt in 2004 hatte Adichie schon gleich großen Erfolg. Der Roman wurde für den Orange Prize for Fiction und den Booker Prize nominiert und gewann schließlich den Commonwealth Writer’s Prize. Das hab ich allerdings auch alles erst nachgeschaut, als ich das Buch schon gelesen hatte. Adichie konnte aber auch mich mit ihrem Debüt überzeugen. Allerdings stehen in diesem Buch weniger kulturelle Unterschiede oder die Geschichte und Politik Nigerias im Fokus, sondern das Leben von Kambilis Familie.

„Das Haus von Kambilis Familie liegt inmitten von Hibiskus, Tempelbäumen und hohen Mauern, die Welt dahinter ist das von politischen Unruhen geprägte Nigeria. Mit sanfter, eindringlicher Stimme erzählt die 15-jährige Kambili von dem Jahr, in dem ihr Land im Terror versank, ihre Familie auseinanderfiel und ihre Kindheit zu Ende ging.“ (© S. Fischer)

 

Die Hälfte der Sonne*

Dies war der erste Roman, den ich von Adichie gelesen hat und er hat mich so begeistert, dass ich mir am liebsten sofort alle weiteren Bücher von ihr gekauft hätte. Hab ich dann auch – allerdings erst nach und nach. Ich habe in diesem Roman so einiges über Nigeria und den Krieg zwischen Nigeria und Biafra gelernt, von dem ich bis dahin quasi nichts wusste. Auch wenn es mir hin und wieder schwer fiel, mich in die Personen hineinzuversetzen, so konnte ich doch ihre Ansichten und Standpunkte verstehen. Ein interessanter Roman, aus dem ich vieles mitnehmen konnte, den ich aber eher nicht als Einstieg empfehlen würde. Da würde sich zum Beispiel Blauer Hibiskus eher anbieten.

„Im Nigeria der Sechzigerjahre kommt der Dorfjunge Ugwu als Houseboy zu Odenigbo, einem linksintellektuellen Professor, bei dem er lesen und schreiben lernt. Als Odenigbos neue Liebe Olanna ihr privilegiertes Leben in Lagos verlässt, um mit ihm zu leben, wachsen die drei schnell zu einer kleinen Familie zusammen. Richard, ein englischer Journalist, der in Nigeria Inspiration für sein erstes Buchprojekt sucht, verliebt sich in Olannas ungleiche Schwester Kainene, die die Geschäfte der reichen, aber auch korrupten Familie leitet. Sie alle durchleben ihre je eigenen Kämpfe und Erfolge, doch teilen gemeinsam die große Hoffnung auf ein unabhängiges Biafra, das 1967 im Osten Nigerias, wo die Mehrheit der Igbo-Bevölkerung lebt, ausgerufen wird.“ (© S. Fischer)

 

Heimsuchungen*

Innerhalb weniger Tage habe ich diesen Band mit zwölf Kurzgeschichten verschlungen. Er zeigt so gut, wie schwer es sein kann, zwischen zwei Kulturen zu leben – was das mit den Menschen macht, wie sie sich fühlen und wie Beziehungen darunter leiden. Die Geschichten sind dabei sowohl schön als auch traurig und absolut authentisch.

„Nigeria – Nordamerika: Zwei Welten, getrennt durch eine scheinbar unüberwindbare Kluft. Die nigerianische Heimat schwebt zwischen Tradition und Moderne, wird bedroht von Gewalt und Korruption. In Amerika hingegen hält das Leben nicht, was es verspricht. An den Rändern beider Kulturen werden die prekären Bande zwischen Kindern und Eltern, die verborgenen Vibrationen zwischen Männern und Frauen aufgespürt: Die Liebe wird in der Distanz auf die Probe gestellt und das Sich-Wiederfinden ist schwieriger als erwartet. In der Familie schleichen sich Spannungen ein, wenn der Strudel des Lebens ihre Mitglieder mitreißt.“ (© S. Fischer)

 

Mehr Feminismus/We should all be feminists*

Von dem berühmt gewordenen TED-Talk We should all be feminists hat bestimmt schon der ein oder andere gehört. Wer ihn nicht kennt: Anhören lohnt sich! Adichie berichtet von ihren eigenen Erfahrungen mit Feminismus und Sexismus und spricht darin so vieles an, dem ich einfach nur voll und ganz zustimmen kann. Ich habe den Talk in der englischen Version gelesen, aber es gibt auch diese Übersetzung des Talks mit vier zusätzlichen Geschichten.

 

 

 

 

 

Americanah*

Den neuesten Roman von Adichie habe ich noch nicht gelesen, er steht jedoch schon im Regal bereit. Ich bin schon gespannt auf die Geschichte und da ich schon viel Positives gehört habe, wird sie mich bestimmt auch nicht enttäuschen.

„Die große Liebe von Ifemelu und Obinze beginnt im Nigeria der neunziger Jahre. Dann trennen sich ihre Wege: Während die selbstbewusste Ifemelu in Princeton studiert, strandet Obinze als illegaler Einwanderer in London. Nach Jahren kehrt Ifemelu als bekannte Bloggerin von Heimweh getrieben in die brodelnde Metropole Lagos zurück, wo Obinze mittlerweile mit seiner Frau und Tochter lebt. Sie treffen sich wieder und stehen plötzlich vor einer Entscheidung, die ihr Leben auf den Kopf stellt.“ (© S. Fischer)

 

Liebe Ijeawele – Wie unsere Töchter selbstbestimmte Frauen werden/Dear Ijeawele, or A Feminist Manifesto in Fifteen Suggestions*

Dieses Manifest der Autorin habe ich ebenfalls noch nicht gelesen. Doch ich bin mir sicher, dass es eine interessante und bereichernde Lektüre ist, ebenso wie We should all be feminists. Den Inhaltstext finde ich schon mal vielversprechend und bestimmt wird es auch nicht mehr lange dauern, bis auch dieses Buch von Adichie bei mir einzieht. Damit wäre dann meine Sammlung erst mal komplett.

„Chimamanda Ngozi Adichie, Feministin und Autorin des preisgekrönten Weltbestsellers ›Americanah‹, hat einen Brief an ihre Freundin Ijeawele geschrieben, die gerade ein Mädchen zur Welt gebracht hat. Ijeawele möchte ihre Tochter zu einer selbstbestimmten Frau erziehen, frei von überholten Rollenbildern und Vorurteilen. Alles selbstverständlich, aber wie gelingt das konkret? Mit ihrem Manifest ›Liebe Ijeawele. Wie unsere Töchter selbstbestimmte Frauen werden‹ zeigt Chimamanda Adichie, dass Feminismus kein Reizwort ist, sondern eine Selbstverständlichkeit. Mit fünfzehn simplen Vorschlägen für eine feministische Erziehung öffnet sie auch den Blick auf die eigene Kindheit und Jugend. Die junge nigerianische Bestseller-Autorin steht für einen Feminismus, mit dem sich alle identifizieren können. Ein Buch für Eltern und Töchter.“ (© S. Fischer)

 

* Links zur Verlagsseite

 

Ach, und wer sich noch fragt, von welchen beiden Lieblingsautoren in meiner Einleitung die Rede war: J. R. R. Tolkien und Stephen King. ;)

 

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