Das eBook Frankensteins Erben habe ich bei einer LovelyBooks-Leserunde gewonnen. Da ich den Originalroman Frankenstein, or the Modern Prometheus von Mary Shelley vergangenes Jahr erst gelesen hatte und mir dieser so gut gefiel, freute ich mich auf das Buch, welches ebendiese Geschichte zum Thema hat.

 

Klappentext

„Es soll ein aufrüttelndes Theaterstück werden. Mit seinen Studenten bringt der erfolglose Dozent Perikles Krause, genannt Peh, Mary Shelleys Frankenstein auf die Bühne. Es geht um alles oder nichts – versagt er, steht seine Karriere vor dem Aus.

Leidenschaftlich treibt er seine Gruppe an, eine wilde Mischung unterschiedlicher Charaktere: die geheimnisvolle Tamar, der rebellische Anton, der sensible Lönsi, die kompromisslose Anna. Mal weise, mal skurril ergründen sie die dunklen Winkel und Geheimnisse der Kunst. Und mittendrin steht die düstere Figur des Frankenstein, untrennbar verwoben mit seinem Monster, mit der zentralen Frage nach Schöpfung und Schöpfer.“ (© Endeavour Press)

Rezension: "Frankensteins Erben" - Jens-Ulrich Davids, www.talesandmemories.de

 

Zwischen Theater und Roman

Frankensteins Erben ist in fünf Akte unterteilt – so wie es sich fürs Theater gehört. Die einzelnen Akte bestehen wiederum aus mehreren Kapiteln – wie in einem Roman. Vor allem zu Beginn waren Aufbau und Schreibstil sehr speziell und erinnerten stark ans Theater, doch ließ dies gegen Ende hin nach. Ich kann nicht wirklich sagen, ob das gut oder schlecht für die Geschichte war. Denn einerseits finde ich es nicht konsequent, aber andererseits war der spezielle Stil zu Beginn auf Dauer doch ein wenig anstrengend zu lesen.

Der Erzählstil passt allerdings sehr gut zur Geschichte, da es sich wie Theater anhört und anfühlt. Dazu tragen unter anderem die kurzen Abschnitte bei, in denen sozusagen nur einzelne Szenen aus Pehs Leben gezeigt werden. Durch die vielen kurzen Szenen mit teils ziemlich abrupten Wechseln und vielen Dialogen, in denen anfangs nicht deutlich wird, wer gerade spricht, erschwerten bei mir allerdings den Einstieg in die Geschichte. So fiel es mir schwer, den Überblick über die Personen zu behalten. Eine Einführung der einzelnen Figuren ist nämlich auch kaum vorhanden, man erfährt lediglich die Namen und einige kurze Stichworte zu jedem. So dauerte es bei mir eine Weile, bis ich richtig im Geschehen drin war.

 

Schönes Thema – schlechte Umsetzung

Der Klappentext hörte sich nach einer interessanten Geschichte an. Die Idee, aus Mary Shelleys Roman ein Theaterstück zu machen, gefiel mir. Und auch, dass es sich um eine bunt gemischte Gruppe von Studenten plus ihres Dozenten handelte, sprach mich an. So gefielen mir die „Szenen“, in denen die Theatergruppe über den Originalroman redete und diskutierte, dabei auch einige philosophische Fragen aufwarf und sich mit Theater- und Geschichtswissenschaften beschäftigte, wirklich gut.

Das ganze Drumherum war aber hauptsächlich eines: sehr anstrengend. Die Handlung geht nur schleppend voran und konnte mich nicht fesseln. Mit den Figuren konnte ich nichts anfangen, was zum einen an den teilweise sehr merkwürdigen Dialogen lag, zum anderen an den kaum vorhandenen Charakterisierungen der einzelnen Personen. Bis zum Ende habe ich keinen Zugang zu den Figuren gefunden, was das Lesevergnügen deutlich verringert hat. Einige der Figuren waren außerdem auch noch richtig nervig und anstrengend und dass sich eine Liebesgeschichte (wenn man es denn so nennen will) zwischen dem Dozenten Peh und einer seiner Studentinnen entwickelte, war wohl das Schlimmste an der Geschichte.

Rezension: "Frankensteins Erben" - Jens-Ulrich Davids, www.talesandmemories.de

 

Mein (sehr ernüchterndes) Fazit

Meinen Geschmack hat Frankensteins Erben so gar nicht getroffen und ich weiß auch nicht, wem ich dieses Buch empfehlen würde. Vielleicht gefällt es dem ein oder anderen Theatermenschen (wobei ich Theater ja eigentlich auch mag…).

Frankenstein, or the Modern Prometheus von Mary Shelley gefiel mir wirklich sehr gut (und ich würde es auch jedem empfehlen), weshalb ich dachte, dass mir dieses Buch ebenfalls gefallen könnte. Doch es hat sich einfach nur sehr gezogen und ich musste mich immer wieder zum Weiterlesen zwingen. Obwohl mir die direkten Anspielungen auf das Original sehr gefallen haben, kam doch zu viel anderes, was mir absolut gar nicht gefallen hat. Die Figuren waren mir allesamt unsympathisch und ich konnte mich in keine wirklich hineinversetzen. Am spannendsten und interessantesten fand ich noch den ein oder anderen wissenschaftlichen Exkurs (aber dafür kann ich dann auch wissenschaftliche Bücher lesen…).

 

Frankensteins Erben

Jens-Ulrich Davids
Genre: Theaterroman
Verlag: Endeavour Press (Mai 2012)
344 Seiten (eBook)

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