Am Donnerstag war es nun so weit und Star Wars: Das Erwachen der Macht kam in die deutschen Kinos. Zwei Tage später, am Samstagabend, war es dann auch für mich endlich so weit und ich saß – ein wenig angespannt – im Kinosessel und wartete auf den Beginn des Films. Die Erwartungen an Episode VII waren immerhin nicht nur bei mir sehr hoch und obwohl ich versucht habe, sie doch irgendwie kleiner zu halten, um nicht enttäuscht zu werden, ist mir das nicht wirklich gelungen. Der Hype um die bekannteste Saga der Welt hatte mich erfasst. Einen nicht unbedeutenden Teil dazu beigetragen, hat natürlich auch das Star Wars-Seminar, das ich zurzeit an der Uni belege. ;-)

Bevor ich jetzt zu meinen Eindrücken und meiner Meinung zu Das Erwachen der Macht komme, eine kleine Warnung: Im Folgenden sind einige Spoiler enthalten. Wer den Film also noch nicht gesehen hat und spoilerfrei bleiben möchte, sollte jetzt nicht weiterlesen. Ich werde zwar nicht detailliert auf den Inhalt eingehen, allerdings einiges erwähnen, um meine Ansichten deutlich zu machen. Also: Achtung Spoiler!

Das Erwachen der Macht beginnt in alter Star-Wars-Tradition: die Musik, der von unten nach oben durchlaufende Text und schließlich ein Sternzerstörer, der langsam ins Bild fährt und so einen Mond verdunkelt. Das hat bei mir schon Gänsehaut hervorgerufen und ich hab mich noch mehr auf den kommenden Film gefreut. Es geht dann auch stark angelehnt an die Originaltrilogie weiter. Wir steigen direkt ein ins Geschehen und ähnlich wie in Episode IV bringt ein kleiner Droide die ganze Handlung ins Rollen. Die vielen Parallelen zur Originaltrilogie sowie die vielen, kleinen Zitate und Sprüche, die auf diese verweisen, sehen einige sehr kritisch und bezeichnen Das Erwachen der Macht bestenfalls als gut gemachtes Remake. Das sehe ich allerdings nicht so, denn die Anlehnungen an die alten Teile sind – wie ich finde – meist gelungen. Ein bisschen weniger „Fanservice“ wäre an der ein oder anderen Stelle auch nicht verkehrt gewesen, doch gestört hat es mich nicht. Insgesamt finde ich es sehr schön, wie sich die Macher auf das (gute) Alte besinnen.

Dazu gehören auch die unterschiedlichen Settings und der Look im Stil eines „used universe“. Auf einem Wüstenplanet lernen wir die Schrottsammlerin Rey (Daisy Ridley) kennen. Überreste großer Raumschiffe liegen halb im Sand vergraben und zerfallen langsam aber sicher. Das kleine Dorf, in dem Rey lebt, ist eine Ansammlung von Hütten – alles sieht heruntergekommen aus. Auch die anderen Schauplätze (Eis- und Dschungelplaneten) erinnern an den Look der Originaltrilogie und dank des zurückhaltenden Einsatzes von CGI wirkt die Welt echt. Viele beeindruckende Bilder bleiben definitiv in Erinnerung.

Die neuen Figuren sind durchweg sympathisch und werden sehr schön eingeführt. Allein die Tatsache, dass sie die alten Sagen kennen und nun erfahren, dass alles davon wahr ist und sie jetzt die Möglichkeit haben ein Teil dessen zu werden, schafft eine wunderbare Verbindung zum Zuschauer. Überhaupt besitzen die neuen Figuren unheimlich gutes Identifikationspotenzial. Ob Rey, der desertierte Sturmtruppler Finn (John Boyega) oder Kylo Ren (Adam Driver), dessen großes Vorbild Darth Vader ist – sie alle sind facettenreich und lassen sich nicht auf einzelne Charakterzüge reduzieren. Vor allem hier zeigen sich die neuen Ideen und Ansätze. Kylo Ren ist eine ambivalente Figur und nicht das personifizierte Böse (wie zuvor Darth Vader). Diese Ambivalenz verleiht der Figur Tiefe und macht neugierig auf die weitere Entwicklung der Rolle. Mit Finn sehen wir zum ersten Mal die menschliche Seite eines Sturmtrupplers. Auch das ist eine schöne Neuerung und seine Entwicklung mit anzusehen macht einfach Spaß.

Neben den neu eingeführten Figuren spielen aber auch die alten wieder eine Rolle. Sie dienen hier mehr als Stütze und stehlen den Neuen keineswegs die Show. Das Zusammenspiel funktioniert wunderbar und trägt mit dazu bei, dass wir uns auf die neuen Figuren einlassen. Han Solo (Harrison Ford) ist wieder ins Schmugglergeschäft eingestiegen – natürlich gemeinsam mit Chewbacca (Peter Mayhew) – und wir erfahren ein wenig von dem, was sich in der Zwischenzeit ereignet hat. Während diese beiden sehr viel Screentime haben, sehen wir Leia (Carrie Fisher) nur einige wenige Male und von Luke (Mark Hamill) fehlt bis kurz vor Schluss jede Spur. Vermisst habe ich die alten Helden allerdings nicht, da die neuen Figuren einfach so spannend und sympathisch sind.

Unbedingt erwähnen muss ich noch den Droiden, mit dem alles beginnt: BB-8. Der kleine, runde Roboter ist einfach so genial gemacht – so süß und so witzig. Seine Reaktionen machen die Gedanken und Gefühle des Droiden so deutlich, dass man immer genau versteht, was bei ihm gerade los ist. Wenn BB-8 sich freut, freuen wir uns mit. Aber nicht nur der kleine Droide sorgt für Spaß, sondern auch die anderen Figuren sorgen immer wieder für Gags und lustige Sprüche. Insgesamt ist der Film sehr humorvoll, allerdings selten auf alberne Weise.

Ihr merkt schon, mir hat Das Erwachen der Macht ziemlich gut gefallen. Trotzdem gibt es die eine oder andere Kleinigkeit, die ich zu kritisieren habe. Zum einen ist das Supreme Leader Snoke (Andy Serkis), der allerdings nur als übergroßes Hologramm zu sehen ist. Die animierte Figur sieht nicht wirklich gut aus und entspricht auch nicht dem, was ich mir als den obersten Bösen vorgestellt hätte. Besser wäre es gewesen, die Figur gar nicht erst zu zeigen oder ähnlich wie beim Imperator das Gesicht zu verdecken. Das Böse, das man nicht kennt, ist schließlich bedrohlicher als das, was man schon sieht. Ein weiterer Kritikpunkt ist für mich die Musik. Obwohl an der ein oder anderen Stelle bekannte Star War-Themen zu hören waren, blieb die Musik doch sehr nebensächlich. Die stillen Szenen haben mir richtig gut gefallen und oft fand ich es schön, dass auf Musik verzichtet wurde oder sie nur sehr dezent im Hintergrund blieb. In Szenen, in denen die musikalische Untermalung dann allerdings wichtiger war, fehlte mir das gewisse Etwas. Von den neuen Stücken ist mir nichts im Gedächtnis geblieben. Ein eindrucksvolles Stück wie der Imperiale Marsch fehlte leider.

Abgesehen von Kleinigkeiten, die kritisiert werden können, ist Das Erwachen der Macht eine wirklich gut gemachte Fortsetzung der Star Wars-Saga. Auch wenn aus den alten Teilen viel zitiert und übernommen wird, legt er doch ein solides Fundament für die folgenden Teile der Trilogie. In diesen wird es dann wohl nicht mehr so viele Anspielungen geben, sondern hoffentlich mehr neue Ideen. Mit den Figuren, die so viel Tiefe besitzen und dem Look, der sich am Alten orientiert, macht der Film auf jeden Fall alles genau richtig. Das Erwachen der Macht konnte bei mir das Star-Wars-Gefühl hervorrufen und hat mich (zum Glück) nicht enttäuscht.

 

Originaltitel: Star Wars – The Force Awakens
Regie: J.J. Abrams
Buch: Lawrence Kasdan, J.J. Abrams, Michael Arndt
Länge: 135
FSK: 12 Jahre
USA 2015

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