Ich hatte schon länger keinen Thriller mehr gelesen und hatte richtig Lust auf das Buch. Cover und Titel fand ich sehr ansprechend und die Beschreibung hörte sich gut an. Auch nach der Leseprobe dachte ich noch: Das kann gut werden. Aber meine Erwartungen wurden leider nicht erfüllt.

 

Inhalt

Es geht um Claudia Brandes, die schon seit einigen Jahren als Kriminalreporterin in München arbeitet. Über Verbrechen zu berichten, gehört zu ihrem Alltag und auch die enge Zusammenarbeit mit der Polizei ist in ihrem Beruf üblich. Doch als sie vom Polizisten Steffen Drews an einen Tatort bestellt wird und dort die Leiche eines kleinen Mädchens sieht, geht ihr der Fall sehr viel näher als gewöhnlich. Da das Mädchen nicht identifiziert werden kann, schreibt Claudia eine Reportage über den Leichenfund. So erhofft sich die Polizei Hinweise aus der Bevölkerung und rechnet außerdem damit, dass sich die Eltern oder Verwandte des Mädchens melden. Doch nichts tut sich und die Polizei vermutet nun, es hierbei mit Menschenhandel zu tun zu haben. Währenddessen macht sich Claudia an ihre eigenen Ermittlungen und ist bald sehr viel intensiver in den Fall involviert als beabsichtigt.

 

Stil und Figuren

Im Prolog lesen wir von einem Mädchen, das sich in seinem neuen Zuhause nicht besonders wohl fühlt. So wird schon auf den ersten Seiten eine beunruhigende Atmosphäre geschaffen und man fängt direkt an Vermutungen aufzustellen, was es damit auf sich haben könnte und ob es sich wohl um das tote Mädchen handelt. Ein paar Mal wird diese Perspektive im Buch noch aufgenommen, was Spannung in die Geschichte bringt.

Doch hauptsächlich begleiten wir Claudia bei ihrer Arbeit und ihren Ermittlungen, die sie auf eigene Faust durchführt. Und hier wird einiges sehr in die Länge gezogen und zu ausführlich beschrieben, wie beispielsweise ihr Tagesablauf. Oft wird der Charakter einer Figur durch Alltagssituationen und Gewohnheiten für den Leser deutlich, was ja positiv zu bewerten ist. In diesem Fall jedoch nehmen solche langen Passagen die Spannung aus der Geschichte. Eine unheilvolle, spannungsgeladene Atmosphäre – wie ich sie in einem Thriller erwarte – kam einfach nicht auf. Auch Wiederholungen, hauptsächlich von Claudias Gedanken und Gefühlen, haben mich etwas gestört. Die Protagonistin wurde mir durch nichts davon sympathischer und auch ihr Handeln nicht nachvollziehbarer.

Identität unbekannt
Copyright: Midnight by Ullstein

Claudias Interesse an dem Fall und ihr Wunsch ihn zu lösen, hängen mit ihrer eigenen Vergangenheit zusammen, die zunächst ein Rätsel bleibt. Das hat bei mir – natürlich neben der Mädchenleiche – die Neugier geweckt, weshalb ich auch unbedingt weiterlesen wollte. Insgesamt konnte ich zur Protagonistin jedoch keinen wirklichen Bezug aufbauen und die Identifizierung mit ihr fiel mir schwer, was ich schade fand. Auch für die anderen Figuren konnte ich mich nicht erwärmen. Der an Claudia interessierte, aufdringliche Polizist Steffen Drews war mir mit seinem teils schon machohaften Gehabe unsympathisch. Claudias Freundin (oder das, was einer Freundin am nächsten kommt) Anni kommt nur am Rande vor und verhält sich äußerst seltsam. Nach einem Streit mit Claudia liest man nichts mehr über sie. Dieser offene Handlungsstrang lässt einen zweiten Band vermuten und somit wäre diese „unfertige“ Geschichte kein großer Kritikpunkt. Die meisten Figuren waren mir ein wenig zu blass und langweilig. Einzig Claudias Kollege Hendrik van Holten bildet eine schöne Ausnahme. Mit einer Hintergrundgeschichte, die jedoch nicht zu ausschweifend beschrieben wird und immer wiederkehrenden kleinen Einblicken in sein Leben und seinen Charakter, ist er eine gut konzipierte Nebenfigur. Er hilft Claudia bei ihren Ermittlungen und ist auch als Freund für sie da. Für mich die sympathischste Figur im Buch.

 

Fazit

Identität unbekannt hat meine Erwartungen nicht erfüllt. Die typische Thriller-Atmosphäre hat mir einfach zu sehr gefehlt. In den kurzen Abschnitten über das Mädchen kommt sie in Ansätzen auf, doch in der eigentlichen Erzählung fehlt sie komplett. Wiederholungen und übermäßige Erklärungen nehmen Tempo und somit Spannung aus der Geschichte. Die Figuren sind etwas blass und teilweise nervt ihr unlogisches Verhalten. Mit der Protagonistin bin ich bis zum Schluss nicht wirklich warm geworden, was sich natürlich negativ auf meine Bewertung auswirkt. Das Thema des Buches hat mir allerdings gefallen und auch wie die Geschichte aufgebaut wurde – nur die Umsetzung hätte besser sein können. Ich hatte auch das Gefühl, das sehr viel Recherchearbeit in das Buch mit eingeflossen ist und sich die Autorin intensiv mit dem Thema beschäftigt hat. Das merkt man der Geschichte an und muss als positiver Punkt auf jeden Fall noch erwähnt werden.

 

Identität unbekannt

Anna Martens
Genre: Thriller
Verlag: Midnight by Ullstein (November 2015)
352 Seiten (eBook)

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