Die Bücher von Sarah Kuttner stehen schon lange auf meiner Wunschliste und nun habe ich mir endlich ihren ersten Roman Mängelexemplar gekauft. Übrigens mein erster Buchkauf seit Langem, da mein SuB (Stapel ungelesener Bücher) eine für mich unangenehme Größe angenommen hatte. So langsam lichtet sich nun das Büchermeer und das ein oder andere neue Buch darf bei mir einziehen. Deshalb wird es demnächst auch meinen ersten Neuzugänge-Beitrag hier auf dem Blog geben. Aber kommen wir zurück zu Mängelexemplar:

 

Klappentext

„Karo lebt schnell und flexibel. Sie ist das Musterexemplar unserer Zeit: intelligent, liebenswert und aggressiv, überdreht und traurig. Als sie ihren Job verliert, ein paar falsche Freunde aussortiert und mutig ihre feige Beziehung beendet, verliert sie auf einmal den Boden unter den Füßen. Plötzlich ist die Angst da.“ (© S. Fischer Verlag)

Mängelexemplar Sarah Kuttner

 

Ernstes Thema, lockerer Schreibstil

Aus der Ich-Perspektive erzählt die Protagonistin Karo episodenhaft ein Jahr aus ihrem Leben. Dabei fühlt es sich an, als würde sie ihre Geschichte in einem persönlichen Gespräch erzählen, was sehr authentisch wirkt. Dementsprechend kommt auch der Schreibstil locker und leicht daher, obwohl es im Buch um ernste Themen geht. Das scheint zunächst widersprüchlich. Der Widerspruch geht jedoch wunderbar auf, denn auf diese Weise ist es einfacher, sich auf das ernste Thema einzulassen.

„So bin ich. Anstrengend. Und ich kokettiere damit nicht. Denn jegliches bei mir ankommende Gefühl, ob positiv oder negativ, potenziert sich innerhalb kürzester Zeit zu einem Drama.“ (© S. Fischer Verlag)

Nachdem Karo ihren Job verloren hat, beschließt sie zur Therapie zu gehen. Sie merkt, dass ihr Leben ein wenig aus der Bahn geraten ist und nicht mehr so verläuft, wie sie es sich vorgestellt hatte. Ein wirklich ernsthaftes Problem hat sie jedoch noch nicht.

„Ich fühle mich nicht im klassischen Sinne „reif für eine Therapie“, ich habe einfach Zeit, und ich bin neugierig.“ (© S. Fischer Verlag)

So fängt Karo also eine Therapie an, erzählt von sich und ihren Macken und von ganz Alltäglichem. Dass vor allem ihre Beziehung ein Problem ist, ahnte Karo schon länger. Doch erst durch die Therapie wird ihr das deutlich bewusst und sie beschließt, etwas dagegen zu unternehmen. Schneller als ihr lieb ist, kommt es also zur Trennung und dann ist sie plötzlich da: ihre erste Panikattacke.

Karo kann sich beim besten Willen nicht erklären, woher ihre Angst kommt. Nun versucht sie, die Angst loszuwerden und wieder auf die Beine zu kommen, um endlich wieder normal leben zu können. Den Weg, den sie dabei geht, beschreibt sie mit allen seinen Höhen und Tiefen.

„Ich bin ein bisschen kaputtgegangen. Ich kann das mal nicht alleine wieder auf die Reihe kriegen.“ (© S. Fischer Verlag)

Sarah Kuttner_Mängelexemplar

 

Meine Meinung

Mir hat der erste Roman von Sarah Kuttner gefallen, denn er hat genau meine Erwartungen erfüllt. Mängelexemplar behandelt ein ernstes Thema, was auch deutlich wird und trotzdem fällt das Lesen leicht. Gerade bei schwierigeren Themen finde ich es nämlich schön, wenn der Zugang durch die Sprache vereinfacht wird. Witz und Ironie schaffen diesen leichten Zugang, ohne dass der Ernst der Sache dabei untergeht. Ich würde das Buch jedem, der sich für psychische Erkrankungen interessiert und nach einem leichten (und fiktiven) Einstieg in das Thema sucht, empfehlen.

 

Mängelexemplar

Sarah Kuttner
Genre: Gegenwartsliteratur
Verlag: S. Fischer Verlag (November 2009)
272 Seiten (Taschenbuch)

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