Klappentext

„Die Depression überfällt Tobi Katze nicht plötzlich. Sie hat sich angeschlichen und unmerklich das Ruder in seinem Leben übernommen. Die meiste Zeit schließt er sich in seiner Wohnung ein und spricht lieber mit der schmutzigen Wäsche als mit seinen Freunden. Abends übertönt er die Stille in ihm mit Partys, füllt die Leere, wo Gefühle sein sollten, mit Bier und pflanzt sich ein Dauergrinsen ins Gesicht, um ja nicht den Anschein zu erwecken, etwas wäre nicht in Ordnung. Das alles ist furchtbar. Und dann auch wieder furchtbar komisch. Aber spricht man so über Depressionen? Ja, genau so!“ (© Rowohlt)

 

Meine Meinung

Mir fällt es nicht sehr leicht, eine Rezension zu Morgen ist leider auch noch ein Tag zu schreiben. Es handelt sich dabei schließlich nicht um irgendeinen Roman, sondern eher eine Art Erfahrungsbericht zum Thema Depressionen. Der Autor Tobi Katze beschreibt darin offen und ehrlich, wie es ihm mit seiner Depression geht, wie er damit umgeht und auch wie andere darauf reagieren. Letzteres ist nicht immer positiv, vermittelt aber einen guten Eindruck von den Vorurteilen, denen Menschen mit Depressionen oft ausgesetzt sind.

Schmeiß mir Kritik entgegen, die werde ich umarmen und bei mir tragen, mein Leben lang, denn die kann ich als etwas Reales annehmen. Weil sie mich schmälert. Das funktioniert in meinem Kopf. Aber Bestätigung ist eine verlogene Angelegenheit, die nur auf Missverständnissen beruhen kann. (© Rowohlt)

Tobi Katze erzählt aus der Ich-Perspektive und benutzt trotz des ernsten Themas einen lockeren Schreibstil. Kurze Sätze und umgangssprachliche Ausdrücke, die mit Humor und Sarkasmus beschriebenen Szenen sowie die Gedankenfluten, die immer wieder auf den Erzähler einstürzen, machen das Buch zu einer interessanten und leicht zu lesenden Lektüre. Trotz – oder vielleicht auch gerade wegen – der sprachlichen Leichtigkeit wird die Schwere des Themas überaus deutlich.

„Kann es denn nicht wenigstens regnen?“, frage ich dieses „Draußen“, das vor meinem Fenster in Sonne zu ertrinken droht. Aber leider nie tut. Das wäre ja mal ein Anfang. Wenn die Außenwelt einfach aufhörte, mir so permanent entgegenzuexistieren, so betont sonnenscheinig gutgelaunt und bunt. (© Rowohlt)

Morgen_ist_leider_auch_noch_ein_Tag

Gemeinsam mit dem Erzähler macht sich der Leser auf einen langen und beschwerlichen Weg – in vielen kleinen Schritten versucht er, ins Leben zurückzufinden. Die Gedanken und Gefühle werden dabei nachvollziehbar beschrieben und für den Leser auch nachempfindbar. Ich vermute, dass vor allem selbst Betroffene sich sehr gut mit dem Erzähler identifizieren können und das Buch vielleicht auch Hoffnung machen und neue Blickwinkel eröffnen kann.

Vielleicht muss das so laufen: Zufallen auf einen Nullpunkt. Aufschlagen. Und von dort an in kleinen Schritten alles wieder aufbauen, was ich in mühevollster Kleinarbeit lange Jahre lang zu Staub zerlitten habe. (© Rowohlt)

Ich habe mich zuvor noch nie mit dem Thema auseinandergesetzt, einfach weil ich auch keinen speziellen Grund dafür hatte. Morgen ist leider auch noch ein Tag wollte ich nun aus Interesse gerne lesen und finde, es ist ein guter Einstieg – obwohl oder weil es kein Sachbuch ist. Mir hat es die Krankheit auf jeden Fall näher gebracht, da der Erzähler seine Gedanken so gut beschreibt und ich mich wirklich gut in ihn hineinfühlen konnte. Das macht das Buch teilweise sehr bedrückend, doch lässt das Ende den Leser eher hoffnungsvoll zurück. Daher finde ich Morgen ist leider auch noch ein Tag sowohl für Betroffene als auch für Nicht-Betroffene empfehlenswert.

Man muss sich selbst eben auch mal was gönnen. Umstände zum Beispiel. Die macht man sich selbst ja viel zu selten. (© Rowohlt)

Morgen ist leider auch noch ein Tag

Tobi Katze
Verlag: Rowohlt (Oktober 2015)
251 Seiten (Taschenbuch)

 

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