Es gibt Filme, auf die ich mich freue und dann gibt es Filme, auf die ich mich nicht nur freue, sondern die ich auch mit einer gewissen Spannung erwarte. The Hateful 8, der bezeichnenderweise achte Film von Quentin Tarantino, gehörte definitiv zur zweiten Kategorie. Schon ein Jahr vor Drehbeginn hatte der Film für großes Aufsehen gesorgt, da das noch unvollständige Drehbuch geleakt wurde und Tarantino daraufhin mit dem Abbruch des Projekts drohte. Dadurch hatte ich The Hateful 8 schon lange bevor der Film im Kino erschien im Blick und wartete gespannt auf den Filmstart in Deutschland. Meine Erwartungen an den Film wollte ich nicht so hoch setzen, da die Meinungen zu diesem doch eher zurückhaltend waren. Trotzdem stand der Kinobesuch kurz nach dem Start am 28. Januar auf dem Plan. Aber genug von mir, jetzt geht´s um den Film:

„Wyoming, einige Jahre nach dem amerikanischen Bürgerkrieg: Eine Kutsche bahnt sich mühsam ihren Weg durch den Schnee in Richtung der Stadt Red Rock. An Bord befinden sich der Kopfgeldjäger John „Der Henker“ Ruth (Kurt Russell), dessen Gefangene Daisy Domergue (Jennifer Jason Leigh) sowie der Anhalter Major Marquis Warren (Samuel L. Jackson), der früher Soldat war und nun ebenfalls als Kopfgeldjäger sein Geld verdient, und Chris Mannix (Walton Goggins), ein Deserteur aus den Südstaaten, der behauptet, der neue Sheriff der Stadt zu sein. Ein Schneesturm zwingt die Gruppe zu einem Zwischenstopp in Minnies Miederwarenladen. Sie treffen dort zwar nicht auf Minnie aber dafür auf den mysteriösen Mexikaner Bon (Demian Bichir), auf den verschwiegenen Cowboy Joe Gage (Michael Madsen), auf den Konföderierten-General Sandford Smithers (Bruce Dern) sowie auf Oswaldo Mobray (Tim Roth). Während der Sturm draußen immer heftiger tobt, begreifen die acht Fremden, dass ihr Zusammentreffen vielleicht gar nicht so zufällig ist und sie Red Rock möglicherweise nie erreichen werden…“ (© Universum Film)

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© Universum Film

 

Zurück zu den Anfängen

The Hateful 8 erinnert ein wenig an Reservoir Dogs, den ersten Film von Tarantino. Denn genau wie dieser ist The Hateful 8 als Kammerspiel inszeniert. Die Handlung findet fast ausschließlich in Minnies Miederwarenladen statt und dementsprechend liegt der Fokus auf den Charakteren, deren Handlungen und Interaktionen. Und genau das macht den Film spannend und interessant. Nach und nach lernen wir die Charaktere kennen. Jeder verfolgt seine eigenen Ziele, jeder misstraut den anderen. So entsteht schnell eine angespannte Atmosphäre und es ist nur eine Frage der Zeit bis sich die Spannung entladen wird. Für die Einführung der Charaktere lässt sich der Film Zeit, was mir persönlich sehr gefallen hat. Denn durch diese langsame Entwicklung werden die Charaktere nachvollziehbar und ihr Handeln logisch.

 

Die üblichen Verdächtigen und eine Überraschung

The Hateful 8 wird zu einem großen Teil von seinen Schauspielern getragen und die machen ihre Sache allesamt ziemlich gut. Oft sind es nur kurze Blicke, die Mimik und kleine Gesten, die das Verhältnis zwischen den Charakteren deutlich machen oder Handlungen auslösen. Von Samuel L. Jackson hatte ich nichts anderes als eine großartige schauspielerische Leistung erwartet und die liefert er auch ab, nicht zuletzt weil seine Rolle so perfekt auf ihn passt. Auch Kurt Russell und Jennifer Jason Leigh spielen einfach wunderbar und gerade die Rolle der Daisy Domergue hat es in sich. Leigh hat nicht sehr viel Text, doch den benötigt sie auch nicht, um ihr schauspielerisches Können unter Beweis zu stellen. Die unscheinbaren Blicke und Gesten erzählen einfach schon eine Menge.

Überhaupt nicht auf dem Schirm hatte ich hingegen den Schauspieler Walton Goggins, was sich nun durch The Hateful 8 definitiv geändert hat. Die Rolle des rassistischen (und nicht ganz so hellen) Südstaatlers spielt er einfach so wunderbar und glaubhaft, dass der eigentlich unsympathische Charakter für mich zum heimlichen Highlight des Films wurde. Deswegen freue ich mich auch jetzt schon darauf, den Film einmal im Originalton zu sehen. Ein wenig irritierend war für mich die Rolle des Oswaldo Mobray, den Tim Roth spielte und dabei sehr an Christoph Waltz erinnerte. Das wirkte ein wenig seltsam und diesen Eindruck wurde ich während des gesamten Films nicht los. Auch der übrige Cast macht seine Sache gut, doch der Fokus liegt eher auf den zuvor genannten.

 

Ein Auge (und ein Ohr) fürs Detail

Nicht nur die schauspielerischen Leistungen konnten mich überzeugen, sondern ebenso die Form des Films. Typisch für Tarantino sind einfach die vielen Details. Seine Filme werden oft mit jedem Mal Schauen besser. Und ich denke, das wird mir auch bei The Hateful 8 so gehen, vor allem wenn man schließlich die Auflösung kennt. Die vielen, kleinen Details in den Einstellungen geben aber auch so schon Hinweise und werfen Fragen auf – zumindest für den aufmerksamen Zuschauer.

Auch die vielen Zitate und Verweise, die typisch für Tarantinos Filme sind, finden sich natürlich. Doch kenne ich mich im Bereich der Western so gut wie überhaupt nicht aus, so dass mir da wohl einige Filmzitate entgangen sind. Mein Interesse am Genre (bzw. den Formalitäten des Genres) hat The Hateful 8 nun allerdings geweckt. Dazu beigetragen hat auch die Filmmusik von Ennio Morricone, der schließlich schon für viele Italo-Western – darunter etwa Spiel mir das Lied vom Tod und Zwei glorreiche Halunken – die Musik komponierte. Zusammen mit den Einstellungen schafft die Musik eine Atmosphäre, die mich besonders in der ersten Sequenz richtig gefesselt hat. Aber auch im weiteren Verlauf ist die Musik immer wieder wichtig – und nicht zuletzt für die Handlung an sich.

 

Nur noch ganz kurz jetzt…

Mir hat The Hateful 8 ziemlich gut gefallen, auch oder gerade weil er mit seinen fast drei Stunden das Geschehen nur langsam entwickelt und sich Zeit für die Charaktere nimmt. Einzig der Schluss hat sich für mich ein wenig zu sehr gezogen. Und ein bisschen weniger blutig hätte es für meinen Geschmack auch sein können. Aber das gehört bei Tarantino ja irgendwie dazu und anders erwartet hatte ich es nicht wirklich. Im Großen und Ganzen fand ich die Inszenierung des Films großartig, kann aber verstehen, wenn der Film nicht gefällt. The Hateful 8 ist eher speziell und man muss diese Art des Filmemachens und -schauens einfach mögen. Wer sich mit der kammerspielartigen, auf Charaktere und Feinheiten fokussierten Inszenierung nicht anfreunden kann, für den lohnt sich The Hateful 8 nicht. Allen anderen kann ich diesen Film allerdings absolut empfehlen.

 

Originaltitel: The Hateful Eight
Regie: Quentin Tarantino
Buch: Quentin Tarantino
Cast: Samuel L. Jackson, Kurt Russell, Jennifer Jason Leigh, Walton Goggins,
Michael Madsen, Tim Roth, Demián Bichir, Bruce Dern
Genre: Western/Drama
Länge: 168
FSK: 16 Jahre
Produktion: USA 2015

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