„Jules und seine Geschwister Marty und Liz sind grundverschieden, doch ein tragisches Ereignis prägt alle drei: Behütet aufgewachsen, haben sie als Kinder ihre Eltern durch einen Unfall verloren. Obwohl sie auf dasselbe Internat kommen, geht jeder seinen eigenen Weg, sie werden sich fremd und verlieren einander aus den Augen. Vor allem der einst so selbstbewusste Jules zieht sich immer mehr in seine Traumwelten zurück. Nur mit der geheimnisvollen Alva schließt er Freundschaft, doch erst Jahre später wird er begreifen, was sie ihm bedeutet – und was sie ihm immer verschwiegen hat. Als Erwachsener begegnet er Alva wieder. Es sieht so aus, als könnten sie die verlorene Zeit zurückgewinnen, doch dann holt sie die Vergangenheit wieder ein.“ (© Diogenes Verlag)

Ich muss gestehen, ich habe mich ein wenig vor dem Schreiben dieser Rezension gedrückt. Vom Ende der Einsamkeit war das erste Buch, das ich von Benedict Wells gelesen habe und es hat mich beeindruckt. Trotzdem fällt es mir nicht ganz so leicht, meine Gedanken zu diesem Roman zu Papier zu bringen. Nun werde ich es aber doch mal versuchen.

Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht von Jules, dem Jüngsten der drei Geschwister. Genauer gesagt sind es seine Erinnerungen, die er rückblickend mit dem Leser teilt. So reflektiert er das Geschehene und fragt sich immer wieder, wie sein Leben unter anderen Umständen hätte verlaufen können. Der Fokus liegt dementsprechend auf Jules, doch auch aus dem Leben der Geschwister erzählt er vieles. Denn obwohl sich die drei aus den Augen verlieren, spielt doch bei allen der Tod der Eltern eine entscheidende Rolle. Sie lernen die Einsamkeit kennen und versuchen auf sehr unterschiedliche Weise damit umzugehen.

„Eine schwierige Kindheit ist wie ein unsichtbarer Feind, dachte ich. Man weiß nie, wann er zuschlagen wird.“ (© Diogenes Verlag)

Vom Ende der Einsamkeit_Benedict Wells

Die Einsamkeit und die daraus resultierenden Ängste und (Selbst-)Zweifel sind die zentralen Themen des Romans. Vor allem Jules lässt sich immer wieder davon beeinflussen und braucht lange, bis er seinen Weg findet und schließlich auch gehen kann. Seine Erzählung ist bruchstückhaft und besteht nur aus den wichtigen, prägenden und emotionalen Phasen seines Lebens. Diese werden daher sehr detailliert beschrieben, während er andere nur am Rande erwähnt.

„Es gab Dinge, die ich nicht sagen, sondern nur schreiben konnte. Denn wenn ich redete, dann dachte ich, und wenn ich schrieb, dann fühlte ich.“ (© Diogenes Verlag)

Der Schreibstil ist einfach gehalten, doch werden die Geschehnisse oft mit philosophischem Blick betrachtet und auch in den Dialogen wird über das Leben und die Liebe philosophiert. Zunächst kam es mir unpassend vor, doch wenn man bedenkt, dass Jules sich zurückerinnert und über einzelne Situationen nachdenkt, sie genau analysiert, macht es Sinn. Erinnerungen sind subjektiv und verändern sich mit der Zeit. Man vergisst, die Erinnerungen verschwimmen und wenn man sich dann nach vielen Jahren zurückerinnert, hat sich das Bild verändert. So fand ich den Schreibstil schließlich doch sehr passend.

„Die Zeit verläuft nicht linear, ebenso wenig die Erinnerungen. Man erinnert sich immer stärker an das, was einem gerade emotional nahe ist.“ (© Diogenes Verlag)

Vom Ende der Einsamkeit ist oft traurig, immer wieder hoffnungsvoll, manchmal auch fröhlich – doch den melancholischen Unterton legt der Ich-Erzähler bis zum Schluss nicht ab. Durch die Perspektive habe ich mich gut in den Protagonisten hineinversetzen können, habe mit ihm getrauert und mit ihm gehofft. Ich mochte den Schreibstil sehr und auch an der Geschichte habe ich kaum etwas auszusetzen – einzig vielleicht die nicht enden wollenden Schicksalsschläge, was mir zum Schluss doch ein wenig zu viel wurde. Trotzdem hat mir Vom Ende der Einsamkeit sehr gut gefallen und es war definitiv nicht mein letzter Roman von Benedict Wells.

Benedict Wells_Vom Ende der Einsamkeit

Vom Ende der Einsamkeit

Benedict Wells
Genre: Gegenwartsliteratur
Verlag: Diogenes Verlag (Februar 2016)
368 Seiten (Hardcover)

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