Klappentext

„Hollywood, 1937. Als der amerikanische Schriftsteller Francis Scott Fitzgerald mit einundvierzig als Drehbuchautor nach Hollywood gerufen wird, scheint seine Alkoholsucht unbezähmbar, seine Frau Zelda lebt in einer psychatrischen Klinik, das Verhältnis zu seiner Tochter ist schwierig. Mit «Der große Gatsby» hatte er Weltruf erlangt, doch das ist lange her. Nun sieht er in der Traumfabrik Hollywood die Chance eines Neuanfangs.

Er zieht in das legendäre Hotel Garden of Allah, abends vergnügt sich eine muntere Schar am Pool: Humphrey Bogart, Joan Crawford, Gloria Swanson und viele andere. Der trunkene Smalltalk der Stars im Mondschein ist geprägt von dem eher unmondänen Bemühen, die eigenen Misserfolge zu vertuschen. Und deren gibt es genügend, denn Hollywood ist ein hartes Pflaster. Fitzgerald wohnt dem Getümmel als zweifelnder Beobachter bei und übt sich in Disziplin. Bis er die Klatschreporterin Sheilah Graham trifft, sich in sie verliebt und sein Leben noch einmal vollkommen verändert.“ (© Rowohlt)

 

Hollywood: Die Goldene Ära

Das klassische Hollywoodkino erreicht seinen Zenit und F. Scott Fitzgerald ist am Tiefpunkt. Er ist verantwortlich für Frau und Tochter und seine Kurzgeschichten, die er sämtlichen Magazinen anbietet, kommen bei deren Herausgebern nicht gut an – keiner will sie drucken. Die Arbeit als Drehbuchautor scheint der letzte Ausweg, um endlich wieder an Geld zu kommen.

Motiviert und zuversichtlich kommt Fitzgerald als Drehbuchautor nach Hollywood, obwohl sein erster Auftrag alles andere als vielversprechend klingt. Trotzdem will er die Produzenten mit seiner Arbeit beeindrucken, um anschließend weitere – und bessere – Aufträge zu erhalten. Bevor ihm dies jedoch gelingt, wird ein weiterer Drehbuchautor hinzugezogen und Fitzgerald schließlich aus dem Projekt gedrängt. Er bekommt eine neue Aufgabe zugeteilt, doch sosehr er sich auch bemüht, der Erfolg in Hollywood bleibt aus.

Stewart O’Nan beschreibt die Filmindustrie der 30er Jahre vor allem zu Beginn des Romans ausführlich, was mir sehr gut gefallen hat. Das Leben und Arbeiten in Hollywood ist sowohl beeindruckend als auch bedrückend – den vielen Erfolgen stehen mindestens ebenso viele Misserfolge gegenüber. Das wird in den Begegnungen und Gesprächen mit den Hollywood-Stars deutlich, auch wenn es sich natürlich um Fiktion handelt.stewart-onan_westlich-des-sunset

 

Ein tragischer Protagonist

Fitzgerald bemüht sich wirklich sehr und beweist Durchhaltevermögen, auch wenn es für ihn alles andere als gut aussieht und er immer wieder Rückschläge einstecken muss. Die sind teilweise selbst verschuldet, teilweise hat er einfach Pech. Er versucht sein Bestes und scheitert trotzdem immer wieder an seinen guten Vorsätzen. Dabei kommt sein innerer Konflikt deutlich zum Vorschein.

O’Nan schafft es, die Zerrissenheit seines Protagonisten darzustellen, ohne sich in langen Erklärungen zu verlieren. Er verleiht der Figur Tiefe und schafft einen runden Charakter, dessen Handlungen nachvollziehbar sind, obwohl er immer wieder die gleichen Fehler macht. So habe ich beim Lesen ständig gehofft, dass Fitzgerald alles wieder in Ordnung bringen und sich für ihn doch noch alles zum Besten wenden wird, doch da es sich um einen biographischen Roman handelt, war das Ende natürlich abzusehen.

Ein interessanter Aspekt, der mir beim Lesen aufgefallen ist: Fitzgerald versucht stets seinen Figuren – sei es in seinen Erzählungen oder aber in den Drehbüchern – sinnvolle und nachvollziehbare Motive für ihr Handeln zu verleihen und den Geschichten so eine innere Logik zu geben. Darauf legt er großen Wert und genau das gleiche macht auch O’Nan mit seinem Protagonisten. Dadurch fiel es mir leicht, mich in Fitzgeralds Lage hineinzuversetzen, mit diesem tragischen Held zu fühlen und zu leiden.
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Fazit: Zeitporträt und Biographie

Mit Westlich des Sunset hat Stewart O’Nan einen eindrucksvollen Roman geschaffen, der eine Mischung aus Zeitporträt und Biographie darstellt. Aus großer Nähe erlebt man wie Fitzgerald leidenschaftlich versucht, an seinen lange vergangenen schriftstellerischen Erfolg anzuknüpfen und gleichzeitig hin- und hergerissen ist zwischen Verantwortungsgefühlen gegenüber seiner Frau und seiner Liebe zu Sheilah, die ihm neue Kraft und Hoffnung gibt. Während das kreative Schaffen und die damit zusammenhängenden Versagensängste in der ersten Hälfte des Romans noch im Vordergrund stehen, kommt in der zweiten Hälfte die Liebe als zentrales Thema hinzu, wodurch weitere Konflikte entstehen.

Besonders spannend war für mich die Verbindung zwischen Literatur und Film – zwei Lieblingsthemen auf einmal. Mit dem klassischen Hollywoodkino habe ich mich auch während des Studiums schon beschäftigt und so fand ich diesen Aspekt des Romans wirklich interessant. Stewart O’Nan vermittelt ein gutes Bild der Zeit und wie sich diese – vor allem im Hinblick auf den nahenden Weltkrieg – auch auf die Filmindustrie auswirkt. Der Fokus liegt zwar auf der persönlichen Geschichte von Fitzgerald, doch unter anderem solche Details machen den Roman so lesenswert.

Westlich des Sunset

Stewart O’Nan
Genre: Roman
Verlag: Rowohlt (März 2016)
416 Seiten (Hardcover)

 

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