Vor ein paar Wochen habe ich die Seite vorablesen.de wieder für mich entdeckt. Ich habe dort schon seit langem einen Account, hatte diesen aber total vergessen. Als ich dann vor einer Weile wieder darüber gestolpert bin, habe ich mir gleich mal die Leseproben für die aktuelle Woche angeschaut und meine Leseeindrücke veröffentlicht – und dann direkt auch ein Buch zum Vorablesen gewonnen. Darüber habe ich mich natürlich total gefreut.

Besagtes Buch war Billy, der dritte Roman von einem Autor, der unter dem Pseudonym einzlkind schreibt. Ich hatte zuvor noch nichts von ihm (oder ihr?) gehört oder gelesen, war von der Leseprobe aber sehr angetan und konnte es kaum abwarten mit dem Lesen anzufangen. Als ich das Buch endlich in Händen hielt, wollte ich es auch gar nicht mehr hergeben. Ich war und bin immer noch begeistert von dem Roman!

 

Inhalt

Billy wächst in Duffmore, einer Kleinstadt in Schottland, bei seinem Onkel Seamus und seiner Tante Livi auf. Seine Hippieeltern starben kurz nach seiner Geburt an einer Überdosis. Das einzige, was Billy von seinen Eltern geblieben ist, ist die Liebe zur Musik. Als er auf dem Dachboden die Plattensammlung seiner Eltern findet, entdeckt er die Welt der Musik für sich: The Beatles, The Doors, Joy Division, Kyuss, Black Keys und sehr viele mehr… Seine zweite Leidenschaft, die Philosophie, bringt ihm sein Onkel nahe. Billys Lieblingsphilosoph wird Nietzsche, „der große Immoralist, der Verbrecher, der Antichrist“.

Billy genießt eine behütete Kindheit in einer liebevollen Familie. Dass er nicht der leibliche Sohn von Onkel und Tante ist, spielt keine Rolle. Sie lieben ihn wie ihren eigenen Sohn. Auch mit seiner kleinen Cousine Polly und seinem älteren Cousin Frankie versteht er sich gut. Er und Frankie sind, obwohl von sehr unterschiedlichem Charakter, gute Freunde und verbringen viel Zeit miteinander. Billy ist eher ruhig und besonnen, während Frankie auch gerne mal eine Schlägerei anzettelt und dem Ärger nicht unbedingt aus dem Weg geht. Kommt es dann zur Schlägerei, steht Billy Frankie jedoch immer zur Seite.

Billy

 

Mit 19 Jahren erfährt Billy vom Familienunternehmen. Onkel Seamus erzählt ihm von der Firma, die er selbst aufgebaut hat und in der sämtliche Familienmitglieder tätig sind. Es handelt sich um eine Firma, die Auftragsmorde ausführt. Allerdings werden nur Aufträge angenommen, die sich gegen Mörder wenden. Mit 22 ist es für Billy so weit: sein erster Auftragsmord. Es läuft nicht so glatt, wie er es sich vorgestellt hat und danach macht er sich viele Gedanken über Recht und Unrecht, Strafe und Rache – und Konsequenzen, die jedes Handeln mit sich bringt. Mit der Zeit fällt ihm sein Job leichter.

Von seinen Opfern lässt sich Billy jedes Mal deren Lebensgeschichte erzählen. Einmal tötet Billy aus Versehen den Falschen, ahnt davon jedoch nichts. Das hat Konsequenzen.

Billy – jetzt 34 Jahre alt – fährt nach Las Vegas, um sich mit Whip zu treffen. Whip ist der einzige in der Firma, der kein Familienmitglied ist. Gemeinsam wollen sie einige Tage in Las Vegas verbringen und Aufträge besprechen. Hier kommt es zum Showdown.

 

Stil

Im Buch begleitet der Leser Billy auf seiner Reise nach Las Vegas. In den Kapiteln erzählt Billy abwechselnd aus seiner Kindheit und Jugend und den aktuellen Ereignissen. Das Geschehen in der Gegenwart beschreibt Billy oft mit kurzen Sätzen, teilweise mit einzelnen Worten. So werden seine Gedanken und Assoziationen sehr anschaulich dargestellt. Die Gefühle und Gedanken sind dem Leser unmittelbar zugänglich. Es entsteht eine Nähe zum Protagonisten, die das Hineinversetzen leicht macht.

In den Kapiteln, die in der Vergangenheit spielen, betrachtet Billy das Geschehene mit einem gewissen Abstand und reflektiert dieses. Das wird im Schreibstil deutlich, der weniger emotional und assoziativ aufgeladen ist. Die Schilderungen sind objektiver, dadurch aber nicht weniger spannend oder interessant.

Auch humorvolle Passagen und witzige Anekdoten fehlen nicht. Dafür sind vor allem die Personen aus Billys Umfeld und Bekanntschaften, die er auf seinem Weg nach Las Vegas macht, verantwortlich. So gibt es immer wieder Stellen, die den Leser zum Schmunzeln und Lachen bringen.

 

Fazit

Anders als zunächst vermutet, steht nicht die Firma oder der falsch ausgeführte Auftrag im Vordergrund. Das gefiel mir sehr gut. Ausschnitte aus Billys Leben zeichnen ein Bild des Protagonisten. Der Leser lernt seine Lebens- und Denkweise kennen. Musik und Philosophie sind die immer wiederkehrenden Motive, die Billys Leben beeinflussen. Ich konnte mich sehr gut mit Billy identifizieren. Ich teile seine Liebe zur Musik – auch was Bands und Stilrichtungen angeht – und konnte von den philosophischen Gedanken gar nicht genug bekommen. Ich war gefesselt von Billys Geschichte, auch wegen des interessanten Schreibstils. Außerdem finde ich das Ende sehr gelungen. Ein absolut lesenswertes Buch!

 

Billy

einzlkind
Verlag: Insel-Verlag (September 2015)
203 Seiten (Hardcover)

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