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Bücherliebe | Rezensionen

Kurzrezensionen #6: Wir lesen Frauen

1. Dezember 2019
#WirlesenFrauen

Wir lesen Frauen

Für die Lesechallenge Wir lesen Frauen dokumentiere ich seit März sämtliche Bücher von Autorinnen, die ich lese und heute möchte ich euch drei davon vorstellen.

Tatsächlich lese ich seit März nur vereinzelt Bücher von Autoren. Ich vermute, dass es zum Teil tatsächlich Zufall ist, da mich zurzeit viele Bücher von Autorinnen einfach mehr interessieren. Zum Teil ist es aber bestimmt auch der Lesechallenge geschuldet, da ich für die ein oder andere Aufgabe auch gezielt Bücher auswähle. Infos zur “Wir lesen Frauen”-Challenge, die noch bis März läuft, findet ihr übrigens bei Eva-Maria Obermann auf dem Blog Schreibtrieb.

Die Geschichte der Bienen – Maja Lunde

Die Geschichte der Bienen von Maja Lunde ist eines der Bücher, das mich seit seinem Erscheinen interessiert hat. Nun habe ich es endlich gelesen und insgesamt hat es meine Erwartungen ziemlich gut getroffen.

Wie aus dem Klappentext schon hervorgeht, handelt es sich quasi um drei in sich geschlossene Erzählungen. Dass diese drei Geschichten trotzdem in irgendeiner Art und Weise zusammenhängen, ist relativ klar. Doch wie genau sie zusammengeführt werden, bleibt tatsächlich bis kurz vor Schluss offen. Die Idee des Buches fand ich von vornherein spannend – schon allein, weil es sich um ein aktuelles Thema handelt: das Sterben der Bienen und insbesondere die Konsequenzen, die dies früher oder später nach sich ziehen wird.

Das Buch ist weniger spannend und dramatisch geschrieben, als ich gedacht hätte, da es sich schließlich um ein dramatisches Thema handelt. Diese ruhige, aber doch sehr eindringliche Erzählweise hat mich positiv überrascht. Besonders begeistert war ich von der Zusammenführung der einzelnen Erzählungen am Ende. Insgesamt ist Die Geschichte der Bienen ein empfehlenswertes Buch, das uns nachdenklich stimmen sollte.

Klappentext

England im Jahr 1852: Der Biologe und Samenhändler William kann seit Wochen das Bett nicht verlassen. Als Forscher sieht er sich gescheitert, sein Mentor Rahm hat sich abgewendet, und das Geschäft liegt brach. Doch dann kommt er auf eine Idee, die alles verändern könnte – die Idee für einen völlig neuartigen Bienenstock.

Ohio, USA im Jahr 2007: Der Imker George arbeitet hart für seinen Traum. Der Hof soll größer werden, sein Sohn Tom eines Tages übernehmen. Tom aber träumt vom Journalismus. Bis eines Tages das Unglaubliche geschieht: Die Bienen verschwinden.

China, im Jahr 2098: Die Arbeiterin Tao bestäubt von Hand Bäume, denn Bienen gibt es längst nicht mehr. Mehr als alles andere wünscht sie sich ein besseres Leben für ihren Sohn Wei-Wen. Als der jedoch einen mysteriösen Unfall hat, steht plötzlich alles auf dem Spiel: das Leben ihres Kindes und die Zukunft der Menschheit.  (© Random House)

Die Geschichte der Bienen von Maja Lunde

Titel: Die Geschichte der Bienen

Autorin: Maja Lunde
Verlag: btb
Erscheinungsjahr: 2017
Genre: Belletristik, Gegenwartsliteratur

Seiten: 512
Format: Taschenbuch
Übersetzung: Ursel Allenstein
Originaltitel: Bienes historie

 

Deutsches Haus – Annette Hess

Deutsches Haus von Annette Hess behandelt einen Teil der deutschen Geschichte, der auch heute noch wichtig ist und nicht vergessen oder als längst vergangen abgetan werden sollte. Das zeigt sich in vielen aktuellen Ereignissen ganz deutlich.

Wie der Klappentext schon verrät, wurden die Ereignisse der NS-Zeit in der deutschen Gesellschaft erst spät aufgearbeitet. Es vergingen etliche Jahre, in denen dies alles in Vergessenheit zu geraten drohte – ein Umstand, den sich viele Menschen wohl auch herbeiwünschten. Dementsprechend schockiert ist Eva nun, als sie all das während des Prozesses erfährt.

Annette Hess ist es mit ihrem ersten Roman gelungen, deutsche Geschichte lebendig werden zu lassen. Die stärksten Momente hat das Buch in den Passagen, in denen es um den Prozess geht. Auch Evas Entwicklung im Verlauf der Handlung ist glaubwürdig und spannend mitzuverfolgen. Ihr Liebesleben ist zwar für ihre persönliche Entwicklung wichtig und zeigt authentisch, wie das Leben in den 1960er Jahren in Deutschland aussah, doch hätte dies für meinen Geschmack auch weniger ausführlich abgehandelt werden können. Doch dies ist nur ein kleiner Kritikpunkt. Komplett überflüssig war für mich die Nebenhandlung um Evas Schwester, die allerdings nicht allzu viel Raum einnimmt. Empfehlen kann ich das Buch jedem, der sich für deutsche Geschichte interessiert.

Klappentext

Frankfurt 1963. Eva, gelernte Dolmetscherin und jüngste Tochter der Wirtsleute Bruhns, steht kurz vor ihrer Verlobung. Unvorhergesehen wird sie gebeten, bei einem Prozess die Zeugenaussagen zu übersetzen. Ihre Eltern sind, wie ihr zukünftiger Verlobter, dagegen: Es ist der erste Auschwitz-Prozess, der in der Stadt gerade vorbereitet wird. Eva, die noch nie etwas von diesem Ort gehört hat, folgt ihrem Gefühl und widersetzt sich ihrer Familie. Sie nimmt die Herausforderung an, ohne zu ahnen, dass dieser Jahrhundertprozess nicht nur das Land, sondern auch ihr eigenes Leben unwiderruflich verändern wird. (© Ullstein)

Deutsches Haus_Annette HessTitel: Deutsches Haus

Autorin: Annette Hess
Verlag: Ullstein Taschenbuch
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Belletristik, Roman

Seiten: 368
Format: Taschenbuch

 

Das geträumte Land – Imbolo Mbue

Das geträumte Land von Imbolo Mbue stand, wie auch die ersten beiden Bücher, schon seit längerem auf meiner Leseliste. Das Thema ist nicht neu, aber eigentlich immer aktuell und auch universell.

Die Autorin erzählt die Geschichte einer jungen Familie aus Kamerun, die beim Versuch, sich ein neues Leben in Amerika aufzubauen, immer wieder an Grenzen stößt. Amerika gilt nach wie vor vielen als Land der unbegrenzten Möglichkeiten – insbesondere Menschen aus wirtschaftlich schwachen Ländern. Und so träumt auch Jende von einem besseren Leben in seiner neuen Wahlheimat, auch wenn das Land ihm alles andere als wohlgesonnen scheint.

Der Familie von Jende stellt die Autorin eine reiche New Yorker Familie gegenüber, für die Jende und seine Frau arbeiten. Imbolo Mbue, die selbst aus Kamerun stammt, in Amerika studiert hat und seit über zehn Jahren dort lebt, fängt so die extrem unterschiedlichen Lebenssituationen der Menschen ein. Authentisch schildert sie das Leben der beiden Familien. Ihr Stil ist eher schlicht, die Kapitel kurz und so lässt sich das Debüt der Autorin leicht und schnell lesen. Besonders gefallen hat mir, dass sich die Geschichte schließlich anders entwickelt hat, als ich es erwartet hätte. Insgesamt ist Das geträumte Land ein lesenswerter Gesellschaftsroman.

Klappentext

Jende Jonga hat es endlich geschafft, seine Frau und seinen kleinen Sohn aus Kamerun nach Amerika zu holen. Das Glück scheint komplett, als Jende den Job als Chauffeur von Clark Edwards, einem Manager der Lehmann Brothers Bank, ergattert. Und Mrs Edwards engagiert Jendes Frau sogar als Haus- und Kindermädchen in ihrem Sommerhaus in den Hamptons. Die beiden Familien könnten unterschiedlicher nicht sein und wollen doch dasselbe: ihren Kindern eine gute Zukunft bieten. Allerdings ist das Leben der Bankerfamilie längst nicht so perfekt und glamourös, wie es zunächst scheint. Als Lehman Brothers pleitegeht, ist die Fassade nicht mehr aufrechtzuerhalten. Die Jongas versuchen verzweifelt, Jendes Job zu retten – auch um den Preis ihrer Ehe. Das Leben der beiden Paare wird dramatisch auf den Kopf gestellt und Jende sieht sich gezwungen, eine unmögliche Entscheidung zu treffen. (© Kiepenheuer & Witsch)

Das geträumte Land_Imbolo Mbue_Wir lesen FrauenTitel: Das geträumte Land

Autorin: Imbolo Mbue
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
Erscheinungsjahr: 2018
Genre: Belletristik, Gegenwartsliteratur

Seiten: 432
Format: Taschenbuch
Übersetzung: Maria Hummitzsch
Originaltitel: Behold the Dreamers

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