Wahrscheinlich handelt es sich bei Der Nachtzirkus um das erste und bisher einzige Buch, das ich hauptsächlich wegen seines schönen Covers gekauft habe. Zuvor hatte ich es ein paar Mal auf Instagram und verschiedenen Blogs gesehen, doch inhaltlich hatte ich keine Ahnung, worum es geht. Da das Buch in Folie verpackt und auf der Rückseite ebenfalls keine Inhaltsangabe zu finden war, kaufte ich es tatsächlich einfach aus einer Laune heraus (und weil es nur 5€ kosten sollte).

Das werde ich wohl nie wieder machen. Warum, das erzähle ich euch jetzt:

 

Inhalt

„Er kommt ohne Ankündigung und hat nur bei Nacht geöffnet: der Cirque des Rêves – Zirkus der Träume. Um ein geheimnisvolles Freudenfeuer herum scharen sich fantastische Zelte, jedes eine Welt für sich, einzigartig und nie gesehen. Doch hinter den Kulissen findet der unerbittliche Wettbewerb zweier verfeindeter Magier statt. Sie bereiten ihre Kinder darauf vor, zu vollenden, was sie selber nie geschafft haben: den Kampf auf Leben und Tod zu entscheiden. Doch als Celia und Marco einander schließlich begegnen, geschieht, was nicht vorgesehen war: Sie verlieben sich rettungslos ineinander. Von ihren Vätern unlösbar an den Zirkus und ihren tödlichen Wettstreit gebunden, ringen sie verzweifelt um ihre Liebe, ihr Leben und eine traumhafte Welt, die für immer unterzugehen droht.“ (© Ullstein)

 

Wenn der Klappentext falsche Erwartungen weckt…

In Der Nachtzirkus geht es zwar um die Wette zweier Magier, doch was den Kampf angeht, gestaltet sich das Ganze anders als gedacht. In erster Linie geht es in dem Buch nämlich um den Zirkus, wie und warum er entsteht und wie er nach und nach wächst und zu einer wunderbaren Attraktion für die Besucher wird. Ein Kampf, so wie ich ihn erwartet hätte, findet im Buch nicht statt. Eher handelt es sich um einen geheimen Wettbewerb zwischen Celia und Marco, ohne dass sie zunächst wissen, wer ihr jeweiliger Gegner ist. Dass es bei dem Wettbewerb um Leben und Tod geht, stimmt allerdings wieder.

Auch die im Klappentext angedeutete Liebesgeschichte ist nur am Rande bzw. am Ende des Buches ein Thema. Das hat mir zwar ganz gut gefallen, nur hatte ich eben etwas anderes erwartet. Das vorherrschende Thema ist einfach der Zirkus selbst. Er ist etwas Besonderes und das nicht nur, weil er ausschließlich nachts geöffnet hat. Der Zirkus besteht aus vielen verschiedenen Zelten, in denen es die unterschiedlichsten Attraktionen zu sehen und zu erleben gibt. Nichts dort ist gewöhnlich.

Dass der Fokus so sehr auf dem Zirkus liegt und die vermeintlichen Protagonisten gar keine wirklichen Protagonisten sind, hat mich überrascht. Und genau das war letztendlich mein Problem mit dem Buch. Leider allerdings nicht das einzige…

Erin Morgenstern_Der Nachtzirkus (Copy)

 

Ausschweifende Beschreibungen, wenig Inhalt

Der Zirkus ist toll. Und magisch. Und bezaubernd. Und traumhaft. Und… so langsam reichts dann auch. Erin Morgenstern beschreibt mit vielen, schön klingenden Worten den Zirkus, die Menschen, die Atmosphäre. Vom Geruch, der die Luft erfüllt, bis zum Boden, der auch ganz anders aussieht als sonst. Kein noch so winziges Detail wird ausgelassen – und das war mir einfach zu viel. Ich schätze schöne Sprache, doch dabei darf der Inhalt nicht fehlen. Der Nachtzirkus besteht allerdings hauptsächlich nur aus schönen Beschreibungen. Die Autorin will den Leser in diese magische Welt mitnehmen und sie greifbar machen, doch bei mir ist ihr das leider nicht gelungen. Stattdessen habe ich mich gelangweilt und gefragt, wann die Geschichte endlich richtig los geht.

 

Zeitsprünge und verschiedene Erzählstränge

Eigentlich ist gegen beides nichts einzuwenden. Im Gegenteil ich mag komplexe Erzählweisen mit Zeitsprüngen und Handlungssträngen, die sich erst nach und nach miteinander verbinden. Aber der Aufbau von Der Nachtzirkus hat mir nicht gefallen, da er mich ständig aus der Geschichte gerissen und meinen Lesefluss unterbrochen hat. Besonders am Anfang des Buchs sind viele Kapitel extrem kurz und springen von einer Situation in die nächste. Dabei werden außerdem viele Figuren vorgestellt, von denen ich in diesen kurzen Passagen kaum einen richtigen Eindruck bekommen habe.

Das alles hat dazu geführt, dass mich weder die Figuren noch die Handlung wirklich interessiert, geschweige denn gefesselt haben. Die Figuren blieben bis zur Hälfte des Buches vollständig blass und langweilig. Danach wurde die ein oder andere schließlich doch noch ein wenig interessanter. Ebenso fehlt in der ersten Hälfte die Handlung fast vollständig. Ein Zirkus wird gegründet und irgendwie sollen die zwei Magier-Schüler einen Wettkampf austragen und werden darauf vorbereitet. Erzählt wird das Ganze episodenhaft mit einigen Zeitsprüngen, bis der Zirkus schließlich eröffnet wird. Das hätte deutlich kürzer erzählt werden können, denn so war ich kurz davor das Buch auf Seite 200 abzubrechen.

Dann kommt aber doch langsam eine richtige Geschichte zustande. Die einzelnen Erzählstränge werden interessanter und der Konflikt, der lange auf sich hat warten lassen, beginnt sich abzuzeichnen. Immerhin die Protagonisten wurden mir dann auch sympathischer, weil ich endlich ein wenig Zeit bekommen habe, sie wirklich kennenzulernen, anstatt von Figur zu Figur und Situation zu Situation zu springen. Von Kapitel zu Kapitel springt die Geschichte übrigens wild vor und zurück, so dass man immer wieder aufpassen muss, was genau vor dem aktuellen Kapitel passiert ist und was erst in Zukunft passieren wird.

 

Ein kompletter Flop?

Danach hört sich die bisherige Besprechung an, doch ganz so blöd fand ich Der Nachtzirkus dann auch wieder nicht. Die erste Hälfte des Buchs hat sich ziemlich gezogen und vieles davon war einfach überflüssig und hätte deutlich kürzer abgehandelt werden können. Der Zirkus wurde sehr schön beschrieben, auch wenn es für mich teilweise zu viel des Guten war. Als sich schließlich die Erzählstränge mehr und mehr miteinander verbunden haben, wurde es besser. Vor allem die Liebesgeschichte hat mir ziemlich gut gefallen, obwohl – oder vielleicht gerade weil – sie erst zum Ende hin bedeutend wird.

Der Nachtzirkus ist ein atmosphärisches Buch mit einer schönen, poetischen Sprache. Leider kommen dabei der Inhalt und die Figuren etwas zu kurz. Eine zielgerichtete Handlung entwickelt sich erst spät und auch die Figuren werden erst in der zweiten Hälfte lebendiger – zu Beginn erscheinen sie eher wie Statisten, die ebenfalls nur zur Atmosphäre beitragen sollen. Der Stil ist zwar besonders, doch mich konnte dieser distanzierte, aber detailverliebte Blick auf das Geschehen nicht überzeugen.

 

Weitere Rezensionen:

Bella von Bella’s Wonderworld

Isabella von Noch mehr Bücher

Ramona von Eltragalibros

Sebastian von Büchermonster

 

Der Nachtzirkus

Erin Morgenstern
Genre: Jugenbuch/Fantasy
Verlag: Ullstein (Oktober 2013)
464 Seiten (Taschenbuch)

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