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“Die Angehörigen” – Katharine Dion

10. Mai 2019
Die Angehörigen

Schlichte Cover und kurze Titel sprechen mich oft an. So war es auch bei Die Angehörigen, dem Debütroman von Katharine Dion. Ob es mir inhaltlich dann ebenfalls gefallen hat, erfahrt ihr in meiner Rezension.

Inhalt

Der Tod seiner Frau konfrontiert Gene mit Gefühlen, die ihn zutiefst erschüttern. Hilflos steht er dem unerwarteten Alleinsein, dem Verlust von Zärtlichkeiten und dem Gefühl, ohne Maida schutzlos zu sein, gegenüber. Am meisten jedoch plagt ihn die Angst, sie hätte ihr gemeinsames Leben nicht als glücklich empfunden und sich nach einem anderen gesehnt.

In Gesprächen mit seiner Tochter Dary und seinen langjährigen Freunden Gayle und Ed sucht er in seiner Erinnerung nach erfüllenden Momenten, die sie erlebt haben: als Paar, als Eltern, als Freunde. Doch Dary stellt nicht nur seine versöhnliche Darstellung der Vergangenheit infrage, sie lässt ihn auch an seinem Bild von Maida zweifeln. Während die seit langem bestehende Kluft zwischen ihm und seiner Tochter wächst, begreift Gene nach und nach, wie wenig er sein eigenes Kind kennt – und wie geheimnisvoll seine Ehefrau eigentlich war.

Gene muss sich eingestehen, dass es auch Verletzung und Betrug in seiner Ehe gab, und in seiner Freundschaft zu Gayle und Ed. Woraufhin ein entsetzlicher Verdacht von ihm Besitz ergreift und alles hinwegzufegen droht, was er je zu wissen geglaubt hat. (© Dumont)

Trauer und Hilflosigkeit

Wie Titel und Klappentext schon verraten, geht es in Katharine Dions Debütroman um die Trauerphase nach dem Tod eines geliebten Menschen. Genauer gesagt, geht es um den Umgang mit dem Verlust, der eine große Lücke im Leben hinterlässt.

Gene und Maida waren lange verheiratet, haben ihre Tochter, die ebenfalls schon eine zehnjährige Tochter hat, großgezogen und hatten sich gemeinsam ein schönes und ruhiges Leben eingerichtet. So hätten sie noch viele weitere Jahre miteinander verbringen können, doch Maida verstirbt relativ plötzlich.

Die Angehörigen beginnt nun einige Wochen nach dem Tod von Maida. Gene hat den ersten großen Schock überwunden, doch die Trauer noch nicht – falls dies überhaupt möglich ist. Seine Tochter hilft ihm dabei, eine Gedenkfeier zu organisieren und andere wichtige Dinge zu erledigen. Ohne seine Frau fühlt sich Gene in vielerlei Hinsicht allein und hilflos. Dies beschreibt die Autorin Katharine Dion in vielen alltäglichen Szenen. Die Handlung ist dabei ruhig, geradezu bedächtig, was jedoch gut zur gegenwärtigen Situation der handelnden Figuren passt.

Schlicht und nachdenklich

Anders als der Klappentext vermuten lässt, kommt es nicht zum großen Drama. Hier finde ich die Formulierungen der Inhaltsangabe etwas irreführend. Gene denkt zwar viel über seine Ehe nach, spricht mit seiner Tochter und dem befreundeten Ehepaar über Maida und erhält so Einblicke in das Leben seiner verstorbenen Frau. Doch so dramatisch, wie es im Klappentext klingt, wird die Geschichte an keiner Stelle.

Stattdessen bleibt die Stimmung meist nachdenklich und leicht melancholisch. Das passt zur Geschichte, führt allerdings zu einer gewissen Langeweile, wenn man spannende Geheimnisse und deren Enthüllung erwartet – was anhand des Klappentextes eben durchaus möglich ist.

Der Erzählstil ist schlicht, doch mit vielen detaillierten Beschreibungen – insbesondere von Landschaften – lässt die Autorin lebendige und oft malerische Bilder im Kopf entstehen. Diese authentische Darstellung gelingt Dion bei den Figuren leider nicht ganz so gut. Obwohl Genes Innenleben sehr ausführlich beschrieben wird, bleibt die Figur relativ blass. Insgesamt hätte ich mir für die Geschichte und die Figuren etwas mehr Tiefe gewünscht und gerne mehr Einblicke in das Leben der anderen Angehörigen.

Fazit

Die Angehörigen von Katharine Dion ist ein solider Debütroman, der mich stilistisch überzeugen konnte. Die Geschichte gibt Denkanstöße in Bezug auf Trauerarbeit, ließ mich an einigen Stellen allerdings etwas Tiefe vermissen. Gleiches gilt für die Figuren, deren Verhalten mir hin und wieder nicht so ganz schlüssig erschien. Der Roman hat keine wirklich zielgerichtete Handlung, was Genes Hilflosigkeit sehr schön spiegelt, aber – wie ich finde – ein schönes, angemessenes Ende.

Katharine Dion_Die AngehörigenTitel: Die Angehörigen

Autorin: Katharine Dion
Verlag: Dumont
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Gegenwartsliteratur, Roman

Seiten: 288
Format: Hardcover
Übersetzung: Henning Ahrens
Originaltitel: The Dependents

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