Früher – genauer gesagt in meiner Teenagerzeit – habe ich ziemlich viele Historische Romane gelesen. Ich habe mich sehr für Geschichte interessiert und fand es immer spannend, etwas über die Vergangenheit zu erfahren. Bei mir hat das einfach am besten über fiktive Geschichten funktioniert, in die die realen Ereignisse eingebunden waren. So konnte ich mir geschichtliche Ereignisse nicht nur viel besser merken, sondern habe oft auch die Zusammenhänge besser verstanden – vor allem wenn aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt wurde.

Nun habe ich seit einer gefühlten Ewigkeit endlich mal wieder einen Historischen Roman „in Angriff genommen“. Dieser Ausdruck erscheint mir für Sturz der Titanen schon ein bisschen passend, da es sich immerhin um einen 1000-seitigen Wälzer handelt. Und nach dem ersten Band der Jahrhundert-Saga kommen schließlich noch zwei von dieser Sorte. Aber nun genug der Vorrede!

 

Inhalt

„Drei Länder. Drei Familien. Ein Jahrhundert.
Europa 1914. Eine deutsch-österreichische Aristokratenfamilie, die unter den politischen Spannungen zerrissen wird. Eine Familie aus England zwischen dem Aufstieg der Arbeiter und dem Niedergang des Adels. Und zwei Brüder aus Russland, von denen der eine zum Revolutionär wird, während der andere in der Fremde sein Glück sucht. Ihre Schicksale verflechten sich vor dem Hintergrund eines heraufziehenden Sturmes, der die alten Mächte hinwegfegen und die Welt in ihren Grundfesten erschüttern wird.“ (© Bastei Lübbe)

 

Die Figuren

Getragen wird die komplexe Geschichte von den Figuren, durch die die geschichtlichen Ereignisse in den einzelnen Ländern sehr gut vermittelt werden. Da sind Ethel und ihr Bruder Billy, die aus einer walisischen Bergarbeiter-Familie stammen und sich beide politisch engagieren. Ethel setzt sich für Frauenrechte ein und Billy für die der Bergarbeiter. Im Gegensatz dazu repräsentieren die Geschwister Fitz und Maud den englischen Adel, wobei Maud sich ebenso wie Ethel für die Rechte von Frauen einsetzt und damit eine Außenseiterrolle in der (adligen) Gesellschaft annimmt.

In Russland verfolgen die Brüder Grigori und Lew mit Sorge die Ereignisse im Land und während Lew sich mehr schlecht als recht durchs Leben schlägt, träumt Grigori von einer besseren und gerechteren Zukunft für sein Land und ist bereit, dafür alles zu tun.

Mit Walter und seiner Familie wird schließlich die deutsch-österreichische Perspektive eingenommen. Außerdem stellt er eine Verbindung zwischen Deutschland und England her, da er in der Botschaft in London arbeitet.

Es gibt noch viele weitere Figuren, doch die acht genannten stellen die Hauptfiguren dar, denen die Handlungsstränge hauptsächlich folgen. Einige stehen in enger Verbindung miteinander, andere begegnen sich immer mal wieder. So entsteht eine komplexes Netzwerk, in dem die Verhältnisse in Europa (und später auch Amerika) deutlich werden.

 

Der Aufbau

Mit Sturz der Titanen hat Ken Follett einen beeindruckenden und komplexen historischen Roman geschaffen. Zeitlich beginnt er ein paar Jahre vor dem Ersten Weltkrieg und endet schließlich nach diesem, so dass im Buch etwa ein Zeitraum von zehn Jahren erzählt wird. Nach und nach werden die acht Hauptfiguren mitsamt ihren Familien eingeführt und man gewöhnt sich langsam an die vielen unterschiedlichen Schauplätze. Die Kapitel sind lang, so dass nicht zu schnell zwischen den verschiedenen Handlungssträngen hin und her gesprungen wird. Es fällt also trotz der umfangreichen Geschichte(n) nicht schwer, den Überblick zu behalten.

Die historischen Ereignisse werden außerdem sehr passend und glaubhaft in die fiktive Geschichte eingebunden. Gleiches gilt auch für die realen Personen, die teilweise auch mit den fiktiven Figuren interagieren. Dies geschieht allerdings immer nur in einer Art und Weise, die im Rahmen des Möglichen gewesen wäre und so hätte stattfinden können. Ken Follett legt bei seinen historischen Romanen Wert auf die korrekte Wiedergabe von realen Ereignissen und so sind seine Bücher immer sehr gut recherchiert.

 

Fazit

Sturz der Titanen ist ein komplexer, historischer Roman, der die wichtigsten historischen Entwicklungen vor, während und nach dem Ersten Weltkrieg in eine interessante und glaubhafte Geschichte einbettet. Ein gut entwickeltes und vielschichtiges Figurenensemble bietet jede Menge Identifikationspotenzial und es sind sowohl sympathische als auch unsympathische Figuren darunter. Trotz der vielen Personen und Schauplätze sind die Handlungsstränge verständlich und man kann ihnen sehr gut folgen. Die Geschichte ist von vorne bis hinten durchweg spannend, interessant und fesselnd, was bei dieser Länge nicht selbstverständlich ist.

Ken Follett hat mit dem ersten Teil der Jahrhundert-Saga alles richtig gemacht und ich kann diesen Roman nur jedem empfehlen. Es ist nicht nur eine spannende und interessante Lektüre, sondern Geschichte wird dadurch erfahrbar und Zusammenhänge verständlicher. Mich hat Sturz der Titanen vollkommen überzeugt und begeistert!

 

Sturz der Titanen

Ken Follett
Genre: Historischer Roman
Verlag: Bastei Lübbe (März 2012)
1038 Seiten (Taschenbuch)

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